Unterwegs an Mecklenburgischen Seen

Unterwegs an der Mecklenburgischen Seenplatte

(Malchow / 27.08.2004-02.09.2004)

Der diesjährige Fahrradurlaub sollte uns auf die Inselstadt Malchow in der Mecklenburgischen Seenplatte führen.

Die für uns nicht so bekannten Regionen der „neuen Bundesländer“ waren für uns sehr interessant geworden.

Die Mecklenburgische Seenplatte hatte von uns noch keiner besucht und ein Blick auf die Karte zeigte Malchow als recht zentralen Ort.
Auch bei der Suche nach einer Unterkunft erwies es sich als Vorteilhaft, so dass schnell eine Ferienwohnung gebucht war. Diese lag in der Straße Sandfeld am Ortsrand von Malchow.

Es handelte sich dabei um einen freistehenden Anbau zu einem Einfamilienhaus, das durch die Vermieter bewohnt wurde.

Nach den Erfahrungen aus der Spreewald-Tour reisten wir erstmals mit zwei Pkw an. Hierdurch erhielten wir die Möglichkeit, etwas mehr Gepäck mitzunehmen und die Anfahrt gestaltete sich auch für alle etwas komfortabler.
Leider war es auch dem Umstand gezollt, dass ich etwas früher aufbrechen musste, da mir nicht so viel Zeit für den Urlaub zur Verfügung stand.

Leider waren wir in der Dokumentation unserer Touren noch nicht so weit fortgeschritten wie in der heutigen Zeit, so dass einzelne Streckenabschnitte in Vergessenheit geraten sind.

Am ersten Tag ging es auf jeden Fall erst mal in Richtung Waren/Müritz. Bei trockenem, aber recht kaltem Wetter ging es über Malchow nach Göhren-Lebbin. Hier war gerade ein Feriengebiet für Golfer neu entstanden. Ein Marktplatz für die Touristen, sowie eine Miniatur-Anlage zu den Gebäuden der Region war gebaut worden. Außerdem waren rundherum Golfplätze gebaut worden.
Nach einer kurzen Rast ging es in Richtung Wendhof und Grabenitz weiter. Hier trafen wir tatsächlich auf die ersten Erhebungen der Region, die so etwas wie Abfahrten mit sich brachten.

Leider waren sie teilweise mit Kopfsteinpflaster befestigt, so dass es nicht wirklich Spaß machte, die Strecke zu fahren. Weiterhin bringt natürlich eine Abfahrt auch gezwungenermaßen eine Steigung zur Anfahrt mit sich, die uns nicht wirklich erfreute.

Über Klink ging es dann nach Waren rein. Wir bummelten kurz durch die Fußgängerzone und gönnten uns dann am Hafen etwas zu Essen.
Danach ging es über die nördliche Route wieder zurück. Durch das weitläufige Waldgebiet folgten wir dem Radweg bis Nossentin. Hier erst war eine erneute Rast möglich, da auf der bisherigen Wegstrecke keine Gaststätten zu finden waren.
Von Nossentin nach Malchow war’s ein Katzensprung, so dass wir zeitgerecht in der Ferienwohnung zurück waren.

Die Tour am nächsten Tag führte uns in die Region westlich von Malchow. Hier fand sich der Plauer See, den wir beabsichtigten zu umrunden.

Zunächst ging es direkt in Richtung Lenz. Hier im Ort sollte es eine Abzweigung in Richtung Norden geben, die uns nach Alt Schwerin führte. Leider verpassten wir die Einfahrt im ersten Anlauf, lernten dadurch aber eine Lokalität am Strand des Plauer Sees kennen, in die wir dann später mehrfach einkehren sollten.
Nachdem wir den Abzweig gefunden hatten, ging es auf einem Waldweg am Ufer entlang. Kurz vor Alt Schwerin ging es dann ab in Richtung Jürgenshof. Von hier folgten wir den Feld- und Waldwegen und über ein Fischerdorf auf die Halbinsel Plauer Werder.
Nun fuhren wir in Richtung eines Campingplatzes am Südufer, da wir erhofften dort eine Rast einlegen zu können. Leider war der Platz geschlossen. Vor dem Tor machten wir dennoch eine kurze Pause und beschlossen, die hügelige Halbinsel noch einmal genauer mit dem Fahrrad zu erkunden. Hierzu wollten wir auch etwas abseits der regulären Wege fahren.

Gesagt, getan. Den ersten Weg rein und los ging’s. Der Weg wurde immer schlechter und immer schwieriger zu erkennen, da er komplett zugewuchert war. Es ging nur sehr langsam voran, da es auch bergauf ging.

An einem Gestrüpphindernis passierte es dann. Ich musste aus den Pedalen raus und neu starten. Als ich dann an dem Hindernis vorbei war, waren Ansgar und Lars nicht mehr zu sehen. Grundsätzlich war das kein Problem, leider teilte sich der Weg und es boten sich vier Möglichkeiten weiterzufahren. Keine zeigte Hinweise darauf, welchen Weg die beiden genommen hatten, so dass ich für eine Tour bergab entschloss. Diese führte mich ans Westufer – dachte ich – und ich wartete am Hauptweg auf ein Zusammentreffen. Das kam leider nicht zu Stande. Ähnlich wie bereits im Spreewald versuchten wir durch Telefonate wieder zueinander zu finden. Dies gestaltet sich jedoch schwierig, wenn man sich an einem anderen Ort wähnt, so dass letztlich nur die Fahrt zurück zum Fischerdorf blieb. unmittelbar davor trafen wir uns auf einem Parkplatz wieder und die Fahrt konnte gemeinsam fortgesetzt werden.

Da uns dieses Kapitel einiges an Zeit gekostet hatte und die Mittagszeit bereits erreicht war, nahmen wir von der ursprünglichen Tourplanung Abstand und fuhren nach Alt Schwerin.

Alt Schwerin ist ein Museumsdorf im Müritzkreis, das einiges zu bieten hat. Uns bleib lediglich die Besichtigung des Dampfmaschinentraktors. Danach machten wir an einem Imbiss Pause.

Von Alt Schwerin ging es über Sparow und den Krebs See zurück zur Ferienwohnung.

Der nächste Tag war ein Regentag. Bereits am Morgen war das Wetter schlecht, so dass wir beschlossen eine Pkw-Tour zu machen. Als Ziel war die Stadt Rostock schnell gefunden.

Nach der kurzen Anfahrt über die Autobahn parkten wir am Hafen am Warnowufer und gingen in die Innenstadt.

Nach etwas Sightseeing und einem Mittagessen ging es dann wieder zurück.
Auf der Rückfahrt stoppten wir noch kurz an einem neu eröffneten Mediamarkt.
Mehr gab es eigentlich nicht zu berichten.

Am nächsten Tag sollte wieder Fahrrad gefahren werden. Die Tour um den Plauer See stand noch aus und wieder ging es in Richtung Lenz. Von dort folgten wir dem Radweg durch den Wald in Richtung Alt Schwerin. Während der Fahrt stellten wir fest, dass irgendetwas mit Ansgars Hinterrad nicht okay war. Eine genauere Nachschau brachte dann das Ergebnis – Speichenbruch.

Speichenbruch

Gemeinsam mit Ansgar bewegten wir uns langsam zu einem nahen Campingplatz, wo wir ihn warten ließen. Lars uns ich fuhren mit dem Fahrrad zur Ferienwohnung zurück. Von dort startete Lars mit dem Auto und fuhr Ansgar zu einer Fahrradwerkstatt in Malchow. Dort wartete Ansgar gleich auf die Reparatur seines Rades und vertreib sich die Zeit, indem er ein Paar neue Fahrradhandschuhe erwarb.
Als er wieder am Ferienhaus erschien, war das Interesse am Fahrrad fahren geschrumpft, so dass wir lediglich noch eine kurze Tour zu dem Restaurant am Plauer See fuhren, um ein Mittagessen einzunehmen.

War uns auch ganz recht, da zur Zeit Handball-WM war und Deutschland gut mitspielte. Wir saßen nachmittags mit dem Vermieter zusammen auf dessen Terrasse und schauten uns bei einigen Bier das Spiel an.

Am folgenden Tag sollte es dann aber endgültig wieder richtig losgehen. Diesmal sollte es wieder eine richtige Tour werden.

Zunächst ging es wieder nach Malchow und von dort zum Kloster Malchow auf der gegenüberliegenden Seeseite.

Nach einem kurzen Besichtigungstopp am Klostergelände ging es an der Landstraße 192 entlang nach Westen.

Nachdem wir die Autobahn überquert hatten, bogen wir in Richtung Petersdorf ab. Mittlerweile hatte es auch kurzfristig zu regnen begonnen, so dass wir wiederum in Lenz unsere Route beendeten und zur Ferienwohnung zurückfuhren.

Am nächsten Tag endete der Fahrradurlaub für mich.

Ansgar und Lars verbrachten noch einen Tag in Malchow und nahmen sich erneut den Plauer See und die Plauer Werder als Fahrtziel vor.

Nach dieser Tour zu zweit beendeten auch sie den Urlaub.

Datum TRP TIME
28.08.2004 58,60 02:56:39
29.08.2004 37,76 02:09:31
31.08.2004 22,70 01:05:00
01.09.2004 29,90 01:35:00
 Gesamt 148,96 07:46:10

Mit dem Fahrrad im Spreewald unterwegs

Spreewald

Sieben Jahre nach dem einschneidenden Erlebnis am Balaton ist wieder einmal eine mehrtägige Fahrradtour geplant.
Diesmal kommt Ansgar noch mit. Zusammen haben wir beschlossen eine feste Unterkunft zu wählen und von dort aus lieber in Tagestouren die Gegend zu befahren.
Als Ziel wurde der Spreewald ins Auge gefasst.
Eine Unterkunft für uns fanden wir in Burg im Spreewald.

Dort ging es dann auch am 25.08.2003 hin.

Verstaut haben wir alles in einem Pkw – was schon an ein kleines Wunder grenzte, da auch die Fahrräder darunter waren.

Unsere Unterkunft war ein Privatapartment im Zentrum von Burg. Im Erdgeschoss fand sich die Küche nebst Sitzecke. Im Obergeschoss, das über eine recht steile und schmale Treppe erreicht wurde, waren dann die zwei Schlafzimmer und das Bad. Ansgar und Lars teilten sich eigentliche Schlafzimmer mit Doppelbett, wohingegen ich in das Wohnzimmer einzog. Hier war eine dritte Schlafstätte eingerichtet, auf der ich es mir gemütlich machte.

Von der Vermieterin wurden wir ausgesprochen freundlich empfangen. Sie zeigte uns die Wohnung und gab uns Tipps für den Einkauf. Das war auch unsere erste Erledigung, nachdem wir durch das Ausladen der Fahrräder wieder Platz im Auto hatten. In einem nahen Einkaufsmarkt kauften wir das Nötigste für die Woche ein. Am Wichtigsten waren für uns die Getränke.

Nachdem wir uns dann letztendlich eingerichtet hatten ging es erst einmal auf Erkundungstour. Zunächst ging es zum Spreewaldhafen. Auf der Suche nach einem Lokal für das anstehende Abendessen erkundeten wir die Ortschaft Burg bis zum Südumfluter. Hier an der Hauptstraße fanden wir einen Bootsverleih wieder, den ich bereits von meinem ersten Aufenthalt kannte. Wir nutzten die Gelegenheit und erkundigten uns nach den Verleihmodalitäten, um eventuell auf diese Freizeitattraktion zu nutzen.

Am nächsten Tag stand dann unsere Tagestour an. Zu Beginn war es noch etwas kühl, was sich aber im Verlauf des Tages ändern sollte. Nachdem wir den Einstieg in die Strecke gefunden hatten, ging es auf den gut ausgeschilderten Fahrradwegen in Richtung Cottbus. Mit Erreichen der Ortsgrenze orientierten wir uns ostwärts, um nicht in die City zu gelangen. Auf unserem Weg in Richtung Peitzer Seenplatte kamen wir noch einem Funpark vorbei. Hier nutzten wir die Gelegenheit, um uns auf den Hügel etwas zu amüsieren und einige Fotos von uns zu machen.  Zu meinem Bedauern hatte ich meine Digitalkamera leider auf den Schwarz-Weiß-Modus gestellt. Warum – kann ich heute nicht mehr nachvollziehen und es hat mich wirklich geärgert, da wir zwar tolle Fotos gemacht haben, aber die halt alle schwarz-weiß waren.

Von Cottbus aus ging es am Recyclingzentrum vorbei nach Lakoma. Hier fanden wir eine angenehme Nebenstrecke in Richtung Peitzer Seenplatte, die wir dann nach einer zügigen Fahrt erreichten.

Nach einer kurzen Rast inklusive Fotostopp ging es dann durch die Seenlandschaft nach Peitz. Hier wollten wir eigentlich etwas zu Mittag essen, fanden aber keine geeignete Gastronomie, sodass es weiter ging. Über Nebenstrecken sollte es an den Nordumfluter gehen, dem wir dann in Richtung Burg folgen wollten. Zum einen fanden wir den Einstieg in die Strecke nicht, da die Beschilderung hier nicht so gut war, zudem hatten wir noch nichts zu Mittag gegessen. Wir machten uns auf die Suche nach einer Lokalität und wurden schließlich an einer Schlachterei fündig, die gleichzeitig einen Imbiss betrieb.

Nach erfolgter Stärkung nahmen wir die Rückfahrt neuerlich in Angriff. Diesmal fanden wir den Weg in Richtung Nordumfluter, auf dessen Hochwasserdamm wir uns dann, dem Wind ausgesetzt, fortbewegten. Highlight hier war noch ein Bauer, der sein Feld bearbeite. Es staubte derart, dass der gesamte Radweg in einer Staubwolke lag, die wir durchqueren mussten.

Die erste Radtour fand, nach insgesamt knapp 70 Kilometern, ihr Ende am Bismarckturm, wo wir uns am Imbisswagen ein isotonisches Getränk gönnten.

Den Abend verbrachten wir dann in unserer Ferienwohnung bei Gesprächen und Gesellschaftsspielen.

Der zweite Tag gehörte nicht dem Radfahren, sondern dem Paddeln. Der Spreewald, bekannt als Kanugebiet, bietet viele Bootsverleihe, so dass es für uns kein Problem war, ein Kanu zu bekommen.

Bereits am frühen Vormittag ging es auf dem Südumfluter los. Lars zeigte sich skeptisch, da ihm dieses Fortbewegungsmittel gar nicht recht war. Die Konsequenzen daraus sollten sich später am Tag zeigen, als nur noch Ansgar uns ich das Kanu vorwärts brachten.

Bei nasskaltem Wetter ging es los und der erste Teil der Strecke war der gerade und breite Südumfluter. Wir brauchten auch diesen Teil der Strecke, um uns aufeinander einzustellen. Nach etwa 700 Metern ging es ins Kleine Leineweberfließ ab. Über dieses konnte man die anderen Fließe befahren.

Nach unserer ersten Schleuse, die wir bewältigt hatten und als die Fließe immer kleiner wurden, suchten wir uns eine Gaststätte, an der wir halten konnten. Danach ging es weiter bis zu unseren zweiten rast, die auch gleichzeitig die Mittagspause war.

Mittlerweile hatten wir auch genug vom Paddeln und das Wetter wurde auch nicht viel besser, sodass wir beschlossen den Rückweg anzutreten. Über die kleineren und gewundenen Fließe ging es noch. Hier fiel auch nicht groß ins Gewicht, dass Lars sich nur sporadisch am Paddeln beteiligte. Erst als wir wieder auf den Südumfluter trafen und neben der Strömung auch noch mit dem Wind zu kämpfen hatten, war der Ausfall von Lars sehr unangenehm. Letztlich mussten Ansgar und ich die Hauptarbeit leisten. Lars zeichnete sich durch seine Kommentare aus, die er ob der Sportart und unserer Mühen von sich gab.

Direkt am Bootsverleih genehmigten wir uns erst einmal ein Getränk, bevor es zur Ferienwohnung zurückging. Für den heutigen Abend stand ein selbstgemachtes Abendessen auf dem Programm. Als wir für dieses einkauft6en, musste Lars bereits das erste Mal seinen Getränkevorrat ergänzen, damit die nächsten Tage abgedeckt waren.

Am dritten Tag stand wieder Fahrrad fahren auf dem Programm. Wieder war eine Strecke von etwa 70 Kilometer geplant. Diesmal ging es zunächst über den Bismarckturm nach Byhleguhre. Nachdem wir am dortigen See in den Spreewald abgebogen waren, folgten wir den Waldwegen in Richtung Straupitz.

Hier kamen wir dann an einer Wegkreuzung auf die geniale Idee uns zu trennen, um zu sehen, welcher der drei Wege schneller ans Ziel führt. Am Ortseingang von Straupitz war ich dann esrt einmal allein. Nach kurzer Zeit traf ich jedoch auf Lars, der bereits in Straupitz nach uns gesucht hatte. Wer letztlich von uns beiden früher angekommen war, konnte nicht geklärt werden, da wir nicht auf denselben Wegen nach Straupitz hereingekommen waren. Zu vermuten ist jedoch, dass Lars schneller vorangekommen war.  Es fehlte jedoch noch Ansgar. Weit und breit keine Spur von ihm. Die Mobilfunktechnik war zu dieser Zeit noch nicht so weit ausgereift, dass es uns gelang ihn zu kontaktieren. Irgendwann fanden wir ihn auf einer unserer Suchaktionen in Straupitz wieder. Nun konnte es gemeinsam weitergehen.

In Straupitz machten wir dann erst einmal an einem Kiosk eine kurze Kaffeepause. Danach ging es in Richtung Alt Zauche. Die Wege dorthin waren reine Wirtschaftswege und dem Entsprechend mit Betonplatten befestigt und vor allen Dingen lange gerade Strecken.

Nach Alte Zauche sollte es in Richtung Leipe gehen. Tatsächlich führte uns die Strecke jedoch nach Lübbenau und wir kamen am Schlosspark in Lübbenau raus. Von hier ging es dann nach einer kurzen Pause am Spreewaldhafen weiter nach Leipe und über die Ringchaussee zum Bismarckturm. Mittlerweile war es schon fester Bestandteil die Tour am Bismarckturm bei einem isotonischen Kaltgetränk enden zu lassen.

Der vierte Tag war als Ruhetag eingeplant. Wir machten eine Pkw-Tour auf den Polenmarkt nach Gubin. Wir bummelten, auf der Suche nach einem Fußballtrikot für Sönke, über die Märkte und nahmen dort in einem polnischen Restaurant ein Mittagessen zu uns.

Danach ging es über den Tagebau bei Jänschwalde zurück. Hier machten wir einen ausgiebigen Stopp, um die gewaltigen Ausmaße des Tagebaus und der genutzten Fahrzeuge zu fotografieren.

Der nächste Tag gehörte wieder dem Fahrrad fahren. Nachdem wir am Tag zuvor bereits kurz den Tagebau gesehen hatten, wollten wir nun mit dem Fahrrad dort hin. Wir fuhren über Werben und den Norden von Cottbus in Richtung Jänschwalde. Highlight auf der Strecke dorthin war eine alte Abraumhalde, die wir befahren konnten. Nachdem wir uns die paar Höhenmeter hinauf gequält hatten, konnten wir den Ausblick über diesen erhöhten Standort genießen.

Von Jänschwalde aus ging es am Nordumfluter zurück bis nach Burg. Insgesamt kamen wir an diesem Tag auf etwas mehr als 75 Kilometer. Erwähnenswert bleibt, dass wir an diesem Tag die einzige nennenswerte Steigung des Urlaubs fuhren – nämlich die Abraumhalde.

Am darauffolgenden und letzten Tag war eine lange Tour bis Schlepzig geplant. Das Wetter war gut und die Strecke sollte über Lübbenau und Lübben gehen.

Bis Lübbenau folgten wir dem Gurkenradweg und machten am Spreewaldhafen unsere erste kurze Pause. Auf dem folgenden Streckenabschnitt nach Lübben hatten wir dann zunächst kleinere Probleme den richtigen Radweg zu finden. Es sollte zwar weiterhin der Gurkenradweg sein, die Ausschilderung wurde aber an einer Stelle durch uns übersehen und wir arbeiteten uns mit der Karte wieder in Richtung der richtigen Strecke.

Auf diesem Teil der Strecke zog sich Lars aus der Tour zurück, so dass Ansgar und ich den Rest allein fuhren. Nachdem wir Lübben erreicht hatten, ging es durch die nördlich gelegene Seenlandschaft bis Schlepzig. Dort kurvten wir erst ein wenig durch den Ort und suchten dann eine Örtlichkeit für eine Mittagspause.

Nach der Mittagsrast ging es über Caminchen und Straupitz zurück nach Burg. In Straupitz überraschte uns dann noch kurz der Regen, so dass wir die Rückfahrt kurzfristig unterbrechen mussten.
Insgesamt sind wir an diesem Tag knapp 83 Kilometer gefahren.
Lars hatte unsere Abwesenheit ausgenutzt und während der Zeit das Gurkenfest in Burg besucht. Außerdem hatte er ein Lokal für das Abendessen ausfindig gemacht, sodass wir etwas Neues ausprobieren konnten. In den späten Abendstunden wurden wir dann noch von einem Feuerwerk überrascht, dass aus meinem Zimmerfenster gut zu sehen war.

Am nächsten Tag ging es dann wieder zurück nach Hildesheim. Bereits am Vortag hatten wir die Fahrräder wieder verstaut, sodass nur noch das Gepäck eingeladen werden musste. Nachdem wir tatsächlich alles wieder ins Auto hineinbekommen hatten, gönnten wir uns eine entspannte Heimfahrt.

Datum Trip Zeit AVS Vmax
26.08.2003 69,29 03:22:55 19,6
28.08.2003 68,93 03:25:38 20,1 47,6
30.08.2003 75,08 03:31:25 21,3 47,4
31.08.2003 82,49 03:41:42 22,3 37,1
Gesamt 295,79 14:11:40

 

Mit dem Fahrrad am Balaton

Mit dem Fahrrad am  Balaton (1996)

Anfängliche Turbulenzen

Diese Fahrradtour beginnt eigentlich schon auf der letzten Fahrradtour durch den Harz. Lars und ich litten damals unter dem äußerst schlechten Wetter und wünschten uns zusehends bei Sonnenschein zu fahren. Aus diesem Grund beschlossen wir, die nächste Fahrt auf jeden Fall in südlicheren Gefilden zu unternehmen.

Unsere erste Wahl fiel auf Südfrankreich. Nach ersten Kontaktgesprächen mit einem Arbeitskollegen, der dort einen Wohnwagen vermietet, schien schon alles klar. Doch im August schwenkten wir dann auf Ungarn um, da ich die Zusage für den Wohnwagen immer noch nicht erhalten hatte und Frankreich auch ausgesprochen teuer ist.

Die Planung war bis Mitte August soweit fortgeschritten, dass wir beschlossen hatten, mit dem Ford Sierra nach Ungarn zu fahren, dort ein Ferienzimmer zu nehmen und dann mit den Rädern den Balaton zu umfahren. Richtig los ging es dann erst zwei Wochen vor dem eigentlichen Start der Tour. Der genaue Anfangstermin stand zu diesem Zeitpunkt nur vage fest. Eigentlich hatten wir beabsichtigt erst Mitte September zu fahren. Da Lars seine Klausurtermine aber immer weiter nach vorne gerutscht sind, bewegte sich unser Termin auch weiter nach vorne – bis zum Montag, den 03.09.1996. Dieser Termin fand sich in Gesprächen Mitte August.

Danach ging dann alles Schlag auf Schlag. Am Dienstag, dem 27.08.1996, gegen 12:00 Uhr, bin ich mit meinem Mountainbike zur HUK-Coburg Versicherung gefahren, um die letzten Unterlagen für den Fahrraddiebstahl meines letzten Rades abzugeben. Während ich mich für circa 10 Minuten im Versicherungsgebäude aufhielt, wurde mein Fahrrad, das an einem Baumschutzgitter im Sichtbereich des Pförtners angeschlossen war, entwendet. Meine Verblüffung war groß, als ich aus dem Versicherungsgebäude kam und das Fahrrad weg war. Lediglich die Schleifspuren meines Reifenprofils waren noch im weichen Boden zu sehen. Von meinem Fahrrad war weit und breit keine Spur zu sehen. Ich befragte dann noch kurz die anwesenden Personen, sowie den Pförtner, die aber alle nichts gesehen hatten.  So zog ich dann unverrichteter Dinge ab. Auf dem gesamten Weg zum Hauptbahnhof, wo ich nun notgedrungen den Bus benutzen musste, trauerte ich meinem Fahrrad nach und beobachtete jeden argwöhnisch, der mir mit einem Mountainbike entgegen kam. Besonders bitter war dieser Umstand des Fahrraddiebstahles ja, weil wir 1½ Wochen später unsere Tour machen wollten und weil ich nun hierfür, im Gegensatz zu der Harztour vom letzten Jahr, ein gleichwertiges Fahrrad gegenüber Lars hatte. Zu Hause angekommen, sammelte ich meine Unterlagen zusammen und ging zum Polizeikommissariat Südstadt, um meine Diebstahlsanzeige zu erstatten. Nachdem dies erledigt war, rief ich bei Holger’s in Hildesheim an, um ein neues Giant Terrago zu ordern. Zu meinem Bedauern musste ich hören, dass das Fahrrad nicht mehr vorhanden war. Ich klapperte daraufhin alle adäquaten Fahrradgeschäfte ab, um ein vergleichbares Fahrrad zu erwerben. Ich fand jedoch nichts geeignetes, bis ich am Mittwoch zu Holger’s fuhr. Dort machte man mir ein gutes Angebot für ein Fahrrad von Focus mit Federgabel und Shimano STX RC – Schaltung. Noch schnell das Zubehör ausgehandelt, dann griff ich kurz entschlossen zu und machte aus, dass ich das Fahrrad am nächsten Tag abholen würde. So geschah es dann auch. Zusammen mit Lars holte ich es ab und machte eine kurze Einführungsfahrt von Sorsum nach Himmelsthür und zurück, um zu sehen, wie es läuft.

Nun schien alles in bester Ordnung zu sein. Ein letztes Treffen mit Lars am Freitag, um die Einzelheiten zu besprechen und dann war alles klar. Am Montag sollte es dann gegen 22:00 Uhr in Sorsum losgehen. Letzte Panik kam dann noch einmal am Montag auf, nachdem Lars versucht hatte ungarische Forint zu erwerben. Man hatte ihm mitgeteilt, dass man bei der Einreise nach Ungarn für jeden Tag Aufenthalt einen 1000 Forint mitführen müsse, diese aber nirgends zu erlangen seien. Ich rief daraufhin beim ADAC an und klärte dies auf. Es handelte sich um eine Fehlinformation. Man musste lediglich einmalig 1000 Forint (oder einen entsprechenden Gegenwert in anderer Währung) mitführen, um die Autobahngebühr entrichten zu können. Nun stand der Fahrt nichts mehr im Wege, da schon ja im Vorfeld das Problem mit Lars Reisepass geklärt war, der natürlich abgelaufen war. Wir haben dann festgestellt, dass man in Ungarn auch mit gültigem Personalausweis einreisen darf.

Die Anfahrt

Wie abgesprochen ging es dann los. Nachdem ich am Montag noch gearbeitet hatte, kaufte ich noch schnell das nötigste für die Fahrt ein und packte dann endgültig meine Sachen. Elli, die wie montags üblich beim Reiten gewesen war, hatte uns zum Abendessen Pizzen vom Bella Italia mitgebracht. Nach dem Essen noch eine kurze Ruhepause und dann ging es für mich gegen 21:00 Uhr los. Ich packte meine Taschen ins Auto und baute dann den Fahrradträger auf. Zuletzt kam dann das Fahrrad selbst drauf und los ging es dann um 21:20 Uhr. Um 21:53 Uhr kam ich dann bei Lars an. Lars sein Gepäck wurde zugeladen. Und noch einige weitere Dinge, die wir kurzfristig für nötig hielten. Während wir Lars sein Fahrrad aufmontierten, gab Lars Vater noch den Kommentar ab, dass er ja die Fahrräder in das große Auto gepackt hätte, aber Entschluss ist Entschluss und wir hatten uns nun einmal entschlossen die Fahrräder auf dem Fahrzeugdach zu transportieren.

Obwohl wir, ehrlich gesagt, während unseres Aufenthaltes in Ungarn oftmals überlegten, ob wir sie nicht auf der Rückfahrt im Kombi transportieren wollen. Als alles eingepackt und noch schnell zwei Tassen Cappuccino, die uns durch Lars Mutter zubereitet worden waren, getrunken waren, ging es dann in Sorsum um 22:30 Uhr los in Richtung Urlaub. Nach einem letzten Tankstopp in Hildesheim ging es über die A7 in Richtung Süden. Unsere erste Pause machten wir auf einer Raststätte nach Fulda. Danach häuften sich die Pausen etwas, da wir dem Kaffeekonsum Tribut zollen mussten. Die großzügige Pausenregelung erwies sich aber auch als günstig, da uns dadurch die Müdigkeit nicht so schnell ereilte. Ansonsten quatschten wir während der Fahrt über Gott und die Welt. Ehrlicherweise muss man gestehen, dass auch viel Blödsinn dabei war.

Richtig wach wurden wir dann noch einmal kurz vor Nittendorf. Nittendorf liegt an der A3 hinter Nürnberg. Auf die A3 sind wir nach Würzburg eingebogen. So gegen 04:30 Uhr morgens trafen wir in Höhe Kilometer 478,5 auf einen Verkehrsunfall mit einem umgestürzten Lkw. Lars stieg sofort aus, um zu helfen. Ich stellte unser Fahrzeug auf dem Seitenstreifen ab, nahm dann meine Taschenlampe und eilte auch zur Unfallstelle. Dort waren schon mehrere Helfer vor Ort. Hauptsächlich andere Lkw-Fahrer, die ebenfalls auf der A3 in Richtung Österreich unterwegs waren. Der Lkw-Fahrer des verunglückten Fahrzeuges war eingeklemmt, aber ansprechbar. Im zugänglichen Körperteil wies er keine ernsthaften Verletzungen auf, so dass erste Hilfe nicht von Not war. Während wir dort standen, an dem auf der Mittelleitplanke liegenden Lkw, kam auf der Gegenfahrbahn eine Frau in einem Kleinwagen angerauscht. Sie nutzte die Überholspur und fuhr direkt auf das Führerhaus zu. Nur mit einer Blockierbremsung konnte sie einen Zusammenstoß vermeiden. Als sie neben dem Lkw stand, noch sichtlich perplex, schlug ihr ein Helfer aus Frust auch noch auf ’s Autodach und beschimpfte sie. Nach einer kurzen Zeit hatte sie sich dann gefasst und setzte ihre Fahrt fort. Nach einer kurzen Weile setzten auch wir unsere Fahrt fort. Wir notierten noch kurz den Kilometerstand und fuhren dann weiter nach Neutraubling an der A3, wo wir einen Tankstopp einlegten. Dann ging es dann zielstrebig in Richtung deutsch-österreichische Grenze weiter.

Nachdem wir diese passiert hatten, machten wir noch einen kurzen Stopp. Zum einen um einen Fahrerwechsel zu machen und weiterhin, um einige Eibrote zu essen, die uns Lars Mutter für die Fahrt zubereitet hatte.  Die Fahrt auf der österreichischen Autobahn war recht langweilig. Mittlerweile regnete es zwischendurch immer mal wieder leicht. Wir waren aber noch guter Hoffnung, dass das Wetter in Ungarn besser sein würde. Erst kurz vor Wien sorgte ich noch einmal für richtige Aufregung. Ich wollte unbedingt Wien fotografieren, wenn wir über die Autobahn auf die Stadt zu fahren. In meiner Erinnerung führte die Autobahn einen Berghang hinunter auf Wien zu, so dass man einen herrlichen Blick auf die Stadt hatte. Leider musste ich feststellen, dass ich mich nicht mehr genau an die Streckenführung erinnern konnte, so dass ich nach jeder Steigungsfahrt der Meinung war, dass die Stelle nun kommen müsste. Tatsächlich dachte ich das so circa 5-mal, bis es tatsächlich so weit war. Zu dieser Zeit hatte die Dämmerung schon eingesetzt, so dass der Blick auf Wien nicht mehr ganz so toll war. Während der Anfahrt auf Wien hatten wir im Verkehrsfunk von einem Stau auf der Autobahn in Richtung Ungarn, und zwar Höhe Wien-Schwechat, gehört. Zuerst machten wir uns Gedanken, wie wir den Stau umfahren könnten. Ich war der Meinung, dass ich eine Umfahrung auf unserer Karte mit dem Maßstab 1:350000 gefunden hätte. Als wir dann aber an die entscheidenden Stellen zur Abfahrt kamen, fuhren wir doch vorbei, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als durch den Stau zu fahren. Dieser erwies als nicht sonderlich groß. Nach einer kurzen Zeit ging es schon zügig weiter. Während unseres Aufenthaltes im Stau bot ich noch einem neben uns fahrenden Österreicher unsere Ritter Sport Mini ‘Traubennuss’ an, da weder Lars noch ich sie essen wollten. Der Österreicher lehnte dankend ab.

Nachdem Lars den Stau durchfahren hatte, wechselten wir nochmals den Fahrer. Das letzte Stück bis zur österreichisch-ungarischen Grenze ging flott voran. Gegen 10:15 Uhr am Morgen trafen wir dort ein. Am Info-Stand des österreichischen ADAC tauschten wir kurz Geld und informierten uns nochmals über die Einreisemodalitäten. Danach passierten wir die Grenze. Unmittelbar hinter der Grenze tankten wir gleich. Danach wollten wir ohne großen Zwischenstopp bis Siófok weiterfahren. Abgesehen natürlich von einigen Pausen, um die Blase zu erleichtern, die sich inzwischen gehäuft hatten. Das Fahren auch der ungarischen Autobahn war ganz angenehm, wenn auch recht ermüdend. Das einzige, was einen aus der Lethargie holte, war die Autobahngebühr, die entrichtet werden musste und der ständige Wechsel zwischen Regen und trockenem Wetter, der uns zu schaffen machte. Lars unkte schon immer, dass wir die ganze Zeit schlechtes Wetter hätten – wie damals im Harz. Ich warf ihm vor, nur negative Wellen zu verbreiten.

Bei Györ verließen wir die neue Autobahn und fuhren über die Landstraße in Richtung Székesfehérvár, um ab dort die Autobahn zum Balaton zu nutzen. Auf die ungarische Fahrweise hatte ich Lars schon aufmerksam gemacht. Er sah sie dann auf der Fahrt in gewagten Überholmanövern bestätigt. Selbst Lkws überholten bei Regen kurz vor Kurven oder Kuppen. Gegen 13:00 Uhr kamen wir in Siófok an. Zuerst wollten wir bei Istvan Tacasz übernachten, da Elli und ich dort schon einen Sommerurlaub verbracht hatten. Zu unserem Bedauern mussten wir allerdings feststellen, dass sie nicht da waren. Wir fragten daraufhin die Nachbarn, wo sie seien und erklärten ihnen unser Anliegen. Sie erklärten sich daraufhin bereit uns eine Ferienwohnung zu vermieten. Allerdings erst nachdem sie abgeklärt hatten, dass wir keine feste Buchung bei Istvan hatten. Für die Übernachtung zahlten wir 30.- DM. Außerdem konnten wir den Ford während unserer Radtour auf dem Grundstück stehen lassen. Zu guter Letzt war auch noch ein Getränkeshop gleich vorhanden, den die Eigentümer der Ferienwohnung betrieben. Nach einer kurzen Besichtigung der Wohnung war dann alles klar. Wir luden das Fahrzeug aus und stellten die Fahrräder erst einmal hinten auf des Grundstück. Der Ehemann der Vermieterin, der übrigens auch Istvan heißt, was übersetzt Stefan heißt, bot sich an, sie abends in die Garage zu stellen. Damit waren wir einverstanden. Auch wenn wir erst meinten, dass er uns nicht richtig verstanden hätte und die Fahrräder draußen stehen lassen würde. Die Vermieterin wies zum Abschluss dem Ford einen Parkplatz am Ende des Grundstückes zu, wo Lars in einparkte. Danach ging es hoch in unsere Wohnung.

Zuerst tranken wir erst einmal ein Bier, das wir bei der Vermieterin gekauft hatten. Danach wurde geduscht. Die Dusche war so ein Kapitel für sich. Zuerst einmal war kein Duschvorhang vorhanden, so dass man immer das Bad unter Wasser setzte. Weiterhin war der Duschkopf so niedrig angebracht, dass man ihn immer in der Hand halten musste und auch nur gebückt stehen konnte, da der Schlauch zum Duschkopf nicht lang genug war. Wenn man dann fertig geduscht hatte, ging es ans Aufwischen des im Zimmer verspritzten Wassers. Dazu war ein Wischmob und ein Eimer vorhanden. Ein Abfluss, der das ganze Ritual vereinfacht hätte, war nicht vorhanden.

Nachdem wir das erledigt hatten, ging es in den Ortskern. Zuerst einmal zur Postbank, wo ich Geld von meinem Postsparbuch in Forint tauschte. Während dieser Zeit hat Lars erst einmal mit zu Hause telefoniert. Zu diesem Zweck hatte er zuvor zwei Telefonkarten erworben. Als das alles erledigt war, gingen wir zur Touristeninformation im alten Wasserturm von Siófok. Wir wollten uns über Radwege um den Balaton herum informieren, da wir mittlerweile beschlossen hatten, den Balaton in die andere Richtung zu umfahren, d.h. nun entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn. Leider konnte uns die Touristeninformation nicht weiterhelfen, da sie uns lediglich einen Fahrradführer für ganz Ungarn verkaufen wollten und nicht mit einer detaillierten Fahrradkarte des Balaton aufwarten konnten.  Nachdem dies erledigt war, begann es wieder einmal zu regnen. Im strömenden Regen gingen wir zu einem Restaurant. Dort angekommen wählten wir eine Platte für zwei Personen. Wir mussten feststellen, dass die Bedienung etwas unfreundlich war. Dies war der krasse Gegensatz zu meinem ersten Ungarnurlaub, wo dieses Lokal aufgrund seiner Freundlichkeit unser Stammlokal war.

Als wir für rund 23.- DM ausgiebig gespeist hatten, gingen wir zurück zu unserer Ferienwohnung. Zuvor suchten wir noch den KIS ABC Markt auf, wo wir für das Frühstück am nächsten Morgen das nötigste einkauften. Bier wollten wir dann wieder bei unserer Vermieterin kaufen. Gesagt – getan.

Zurück bei der Ferienwohnung brachte Lars unsere Sachen hoch und ich ging zum Getränkeshop. Die Vermieterin bediente mich erst, um mir, nachdem ich gezahlt hatte, zu sagen, dass es ein Problem gäbe. Zuerst dachte ich, dass es sich um die Ferienwohnung handele. Sie sagte dann aber, dass es um das Auto ginge und führte mich zum Ford. Ich sah dann, was passiert war. Istvan war mit seinem Kleinlaster der Marke Mitsubishi gegen die Fahrzeugfront des Ford gefahren. Er sagte, dass er vergessen habe die Handbremse anzuziehen. Dies klang aber wenig realistisch. Mir wurde zu verstehen gegeben, dass in kurzer Zeit jemand komme, der alles regele. Ich ging daraufhin in unsere Wohnung zurück. Lars hatte während der ganzen Zeit im Treppenaufgang gehockt, um ein Foto von mir zu schießen. Dies tat er dann auch, als ich kam. Er wunderte sich jedoch gleich über meinen finsteren Gesichtsausdruck. Als ich ihm erzählte, was passiert war, wollte er es erst nicht glauben. Wir nahmen dann die Fotokamera mit und gingen zum Auto, um uns den Schaden genau zu besehen. Während wir so an dem Auto standen, kamen immer mal wieder die Vermieter an, um etwas zu erzählen.

Nach einer kurzen Zeit und unzähligen Fotos vom beschädigten Auto kam ein nettes blondes Mädel, das recht gut aussah. Es handelte sich wohl um eine Verwandte, die dolmetschen sollte. Ihr ganzer Beitrag war, dass die Polizei käme und dass das Auto aus versicherungstechnischen Gründen auf der Straße geparkt haben muss. Danach war sie genauso schnell weg, wie sie gekommen war. Schade.

Es dauerte dann noch circa eine halbe Stunde bis ein Polizeibeamter kam. In dieser Zeit tranken wir erst einmal ein Bier. In Ungarn gelten zwar 0,0 ‰, aber wir waren ja nicht gefahren. Außerdem hatten wir schon während des Essens genug getrunken. Als der Polizist dann endlich kam, war ich leicht entsetzt. Man kann sich nicht vorstellen, wie der aussah. Unordentliches Hemd. Der Schlips nur circa 15 cm lang gebunden. Die Uniform total zerknittert. Die Hose durch einen wie John Wayne geschnürtes Pistolenkoppel am Herabrutschen gehindert. Zudem begrüßte er nur unsere Vermieterfamilie. Wir standen unbeteiligt daneben und hörten uns das ausschließlich ungarisch geführte Gespräch an. Die einzigen Worte, die ich verstand war ‘Hungaria’, was ich mit der staatlichen Versicherung verband und ‘Ford-Service’, was ich mit der Werkstatt verband. Dann verabschiedete er sich, ohne einmal das Wort an uns zu richten, und war weg. Ich konnte mir gegenüber unseren Vermietern nicht den Kommentar verkneifen zu fragen, ob er Feierabend habe, was zur allgemeinen Belustigung beitrug. Die bis dahin recht angespannte Beziehung hatte sich mittlerweile etwas gelockert. Die Vermieterin erklärte uns unter Zuhilfenahme eines deutsch-ungarischen Wörterbuches was weiter geschehen würde. Wir müssten am nächsten Morgen um 07:00 Uhr die Hungaria Versicherung aufsuchen und danach zur Ford-Werkstatt weiterfahren. Istvan würde uns die ganze Zeit begleiten und es würden auch immer Leute da sein, die deutsch sprechen würden.

Danach führten wir noch eine Zeit ein ganz unverfängliches Gespräch, in dem Lars abklärte, wo die heißen Quellen seien, die er in seiner Kindheit besucht hatte. Weiterhin mussten wir meinen Ausspruch ‘es ist nun mal passiert, da kann man nichts machen’ erläutern, da er durch die Vermieter nicht gedeutet werden konnte. Nach einiger Zeit und unzähligen falschen Übersetzungen war es uns dann auch gelungen. Nun ging es in die Ferienwohnung zurück. Noch ein letztes Bier, sowie ein bisschen ungarischen Selbstgebrannten und die ersten Partien Backgammon, die Lars fast haushoch gewann, dann ging es gegen 20:30 Uhr ins Bett.

Der Tag, an dem es eigentlich losgehen sollte

Pünktlich um 06:01 Uhr klingelte der Wecker. Wie das Wetter an diesem Tag würde, konnte man nicht genau sagen. Man konnte aber jetzt schon genau sagen, was uns den Tag über erwartete. Zuerst mussten wir mit der Versicherung unseres Unfallgegners klar kommen. Danach mit der Kraftfahrzeugwerkstatt, um eine zügige Autoreparatur zu gewährleisten. Bevor der Tag richtig begann, bin ich erst einmal zum Einkaufsmarkt gegangen und habe Brötchen fürs Frühstück besorgt. Als ich um 06:40 Uhr vom Einkaufen zurückkam, hatten wir Probleme den Gasherd in Betrieb zu nehmen, bis wir feststellten, dass der Haupthahn abgedreht war. Als es dann endlich ans Frühstücken gehen soll, kleckert Lars auch noch mit der Milch rum.

Um 07:00 Uhr wollten wir uns dann eigentlich mit unserem Unfallgegner treffen. Da ich aber meinen Kaffee noch nicht ausgetrunken hatte, verspäteten wir uns um fünf Minuten. Dann ging es zur Hungaria-Versicherung. Dort angekommen, mussten wir erst einmal warten bis die Sachbearbeiterin da war, da wir zu früh bei der Versicherung waren. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir uns mit unserem Morgenkaffee mehr Zeit gelassen. Als wir dann dran kamen, bekam ich ein Formular zum Ausfüllen. Es war mehrsprachig geschrieben, so dass ich grundsätzlich keine Probleme hatte, es auszufüllen. Probleme gab es nur beim Namen des Unfallgegners, den wir bis dahin nicht kannten. Nachdem dies gelöst war, gaben wir unsere Formulare gemeinschaftlich ab. Ich wurde dann barsch von der Sachbearbeiterin aufgefordert meinen Führerschein, den Fahrzeugschein und die grüne Versicherungskarte auszuhändigen. Da wir nicht genau wussten, was bisher abgesprochen war, hakte ich bei der Aushändigung der grünen Versicherungskarte erst mal nach. Ich hatte ehrliche Bedenken, dass der Unfall im Nachhinein auf unser Verschulden abgerechnet wird. Als die Sachbearbeiterin jedoch das Duplikat nicht behielt, zerstreuten sich meine Zweifel. Von der Sachbearbeiterin kam dann noch der Hinweis, dass ich gar nicht Eigentümer des Autos wäre. Ich erklärte dann, dass das Fahrzeug meiner Ehefrau gehöre. Dies wurde zur Kenntnis genommen, insbesondere nach einem Blick auf meinen Polizeiführerschein. Bei dieser Gelegenheit sah auch unser Vermieter und Unfallgegner erstmals, dass ich bei der Polizei bin.

Nach der Abwicklung der Formalitäten wurde uns erklärt, dass wir nun auf den sachverständigen warten müssten. Wir warten vor der Versicherung auf ihn. Als wir da so rum standen, kamen noch mehrere Personen, die zu der Versicherung wollten. Eine davon stellte sich zu uns dazu, da sie wohl davon ausging, dass wir ebenfalls auf Einlass bei der Versicherung warteten. Nach einer kurzen Zeit bemerkte er seinen Irrtum und ging ins Gebäude.  Als dann der Sachverständige endlich kam, ging alles recht schnell. Ein paar Fotos vom beschädigten Auto gemacht. Ein paar ungarische Kommentare und einige Kreuze auf einem ungarischen Formular. Fragen unsererseits konnte der Sachverständige nicht beantworten, da er kein Deutsch sprach. Wir mussten also noch einmal ins Versicherungsgebäude, um alles zu klären. Dies lief dann auch zu unserer Zufriedenheit. Eine Durchschrift des Formulars war in Deutsch und es wurde uns ausgehändigt. Gleichzeitig kopierte die Sachbearbeiterin noch die Schadensanzeige für uns. Als das alles erledigt war, ging es weiter in Richtung Ford-Werkstatt.

Dort trafen wir gegen 08:40 Uhr ein. Als erstes wurde ein linker Scheinwerfer für uns aus dem Lager geholt. Er wies zwar geringfügige Abweichungen auf, wurde aber von uns akzeptiert. Er war lediglich mit einer zusätzlichen Streuscheibe für Fernlicht versehen. Anfänglich dachten die Angestellten der Werkstatt, dass wir nur den Scheinwerfer ersetzen wollten. Als wir ihnen sagten, dass wir das Fahrzeug komplett reparieren wollten, wurde es kurzfristig spannend. Zuerst einmal musste die Farbe organisiert werden. Dazu waren ungefähr fünf Telefongespräche notwendig. Dann wurde und gesagt, dass es machbar wäre. Leichte Unstimmigkeiten gab es dann noch bei der Terminabsprache. Man ging in der Werkstatt davon aus, dass wir das Auto baldmöglichst wieder haben wollten. Erst als wir sagten, dass wir es erst am darauffolgenden Montag zurück bräuchten, beruhigte sich die Lage und man sicherte uns zu, dass das Fahrzeug repariert sein. Nun ging es zur Ferienwohnung zurück. Es war mittlerweile 09:05 Uhr und um 09:30 Uhr sollte unser Zug in Richtung Budapest fahren. Da das Wetter einigermaßen war und wir mit der Werkstatt und der Versicherung zu tun hatten, hatten wir beschlossen den Rest des heutigen Tages für einen Ausflug nach Budapest zu nutzen.

Da der Vermieter wusste, was wir für den heutigen Tag geplant hatten, fuhr es uns in seinem Transporter dementsprechend zur Ferienwohnung zurück. Zu dritt saßen wir auf der vorderen Sitzbank und genossen die vierminütige Fahrt. An der Ferienwohnung angekommen, bot er sich an, uns noch gleich zum Bahnhof zu fahren. Da der aber nicht sonderlich weit weg war, beschlossen wir zu Fuß zu gehen. Noch kurz einige Gegenstände aus den Zimmern geholt und los ging es.

Um 09:18 Uhr trafen wir am Bahnhof ein. Ich stellte mich an, um Fahrkarten zu kaufen, während Lars unseren Bahnsteig in Erfahrung brachte und einige Fotos schoss. Nachdem ich die Fahrkarten erhalten hatte, die übrigens mehr wie ein Einkaufsbon von Realkauf aussahen, eilten wir zum Bahnsteig. Dort kamen wir dann gegen 09:30 Uhr gerade an, als unser Zug nach Budapest eintraf. Im Zug schafften wir es dann sogar noch einen Sitzplatz zu ergattern. Uns gegenüber saß ein älteres Ehepaar, das im Bereich Keszthely ihre Ferien verbrachte. Mit ihnen kamen wir dann ins Gespräch, wobei Lars nun endlich erfuhr, wo die heißen Quellen liegen, die er von seinem damaligen Besuch kannte. Gegen 11:09 Uhr traf der Zug in Budapest Déli Pályaudvar ein.

Von diesem im südwestlichen Teil Budapest gelegenen Bahnhof ist es nicht weit zur ‘Buda’, der Stadtfestung der ungarischen Hauptstadt. Nachdem wir die Gültigkeit unserer Fahrkarten für die Rückfahrt abgeklärt hatten, folgte ein kurzer Anstieg über einige Straßen und Treppen und ein etwas längeres Umrunden der Burgmauer bis zum Erreichen eines Eingangstors der Königsburg. Nachdem man sie durch das Eingangstor betreten hatte, wandelte man die ganze Zeit in den Straßen mit alten Fachwerkhäusern. Lediglich ein Hotel in der Nähe der Matthiaskirche bildete dabei die Ausnahme. Von der Matthiaskirche aus ging es dann am Grab des Königs Istvan vorbei auf die Fischerbastion, dem Bau aus weißem Sandstein, der oberhalb der Donau liegt und die ‘Buda’ in östliche Richtung begrenzt. Hier zahlten wir einige Forint Eintritt, um die Bastion betreten zu dürfen. Nach der Besichtigung der Fischerbastion gingen wir dann zur Zahnradbahn, die uns an die Donau hinunter bringen sollte.

Während wir am oberen Einstiegshaus auf eine Bahn warteten und die Aussicht genossen, wurden wir noch von einem „Touristenführer“ angequatscht, der uns alle möglichen Ratschläge gab. Nachdem wir dann endlich los waren, er suchte uns gleich zweimal auf, fuhren wir dann mit der Zahnradbahn. Unten angekommen, gönnte ich mir noch ein Eis und dann ging es über die Kettenbrücke nach Pest.

Dort bummelten wir ein bisschen durch die Fußgängerzone. Allerdings hier schon immer mit dem Hintergedanken eine Örtlichkeit zu finden, wo wir eine Kleinigkeit zu Mittag essen konnten. Diese fanden wir dann auch nach einiger Zeit. Wir fanden nämlich einen Pizza Hut mit Außenbestuhlung, wo wir Platz nahmen und uns eine Pan-Pizza gönnten. Nach dem Essen blieben wir noch eine Zeit sitzen, um uns die Menschen anzuschauen, die sich in diesem Teil der Fußgängerzone tummelten. Danach ging es dann auf den nächsten Platz, wo gerade für eine Festlichkeit aufgebaut wurde. Von hier aus wollten wir die Metro in Richtung Bahnhof nehmen. Nachdem ich Fahrkarten gekauft hatte, machten wir uns mit dem recht einfachen U-Bahn-System vertraut. Man musste lediglich seinen Zielort kennen und einer Linie zuordnen. Danach folgte man einfach der Farbe der Linie zum entsprechenden Bahnsteig und schon brauchte man nur noch auf eine Bahn warten. Am Bahnsteig angekommen, zählte eine Uhr die Zeit bis zum Eintreffen der nächsten Bahn rückwärts ab. Als unsere Bahn dann kam, quetschten wir uns mit den anderen hinein. Bis zur ersten größeren Umsteigestation gab es für uns keine Möglichkeit umzufallen, da die Bahn sehr gut gefüllt war. Danach leerte sie sich immer mehr. Am Bahnhof Déli Pályaudvar angekommen, waren wir dann schon fast alleine in unserem Waggon.  Auf dem Bahnhof informierten wir uns kurz wann und wo der nächste Zug in unsere Richtung ging. Hierbei hatten wir Glück. Unmittelbar nach unserer Ankunft fuhr ein Zug in Richtung Siófok ab.

Nachdem ich noch kurz die öffentliche Toilette besucht hatte, ging es dann gegen 15:10 Uhr zurück in Richtung Siófok, wo wir gegen 16:55 Uhr eintrafen. Gegen 17:10 Uhr waren wir dann zurück in unserer Ferienwohnung, wo ich dann erst einmal ein paar Bier besorgte. Diese waren dann gegen 17:23 Uhr offen und die erste Partie Backgammon begann. Um 19:30 Uhr sind wir dann ins Amigo-Restaurant essen gegangen. Hier waren wir neben einem anderen Pärchen die einzigen Besucher. Zudem wurde mir noch langweilig, da Lars hier wohl die längste Zeit überhaupt auf der Toilette zubrachte. Nach dem Essen, welches ganz passabel war, ging es dann noch bis 22:00 Uhr in den Olive Garden, wo wir noch einen Schlummertrunk zu uns nahmen und den morgigen Tagesablauf besprachen. Gegen 22:10 Uhr lagen wir im Bett und ruhten uns für den nächsten Tag aus.

Endlich Fahrrad fahren

Um 07:05 Uhr sind wir aufgestanden, nachdem ich seit circa 6:00 Uhr wach bin, weil das Kind des Hauses im Garten seit dieser Zeit mit zwei Steinen gegeneinander schlägt. Der Tag zeigte sich ausgesprochen freundlich mit viel Sonnenschein. Nach dem Frühstück, das bis etwa 8:00 Uhr dauerte, benötigten wir noch ein halbe Stunde um unsere Fahrräder zu bepacken.

Um 08:43 Uhr ging es dann endgültig los. Wir hatten vor, dem eingezeichneten Fahrradweg um den Balaton zu folgen. Hierbei handelte es sich um die alte Landstraße, die früher einmal rund um den Plattensee führte. In Siófok war dieser Weg noch recht einfach zu finden. Dies sollte sich im weiteren Verlauf der Tour geben. Nach einem kurzen Stück an der Bahnstrecke Balaton – Budapest entlang, fuhren wir ab Siófok-Sóstó dann direkt am Balaton entlang. Die Strecke war gut zu fahren. Sie war eben und wir hatten leichten Rückenwind, so dass wir gut vorankamen.

In Balatonvilágos legten wir dann die erste Pause ein. Einmal um die Karte zu studieren und zum anderen, damit ich eine Zigarette rauchen konnte. Während unseres Kartenstudiums einigten wir uns darauf am Balatonufer weiterzufahren. Nach circa 2000 Metern trafen wir dann auf den Club Aliga, eine private Hotelanlage, die mit einer beachten Zufahrt versehen ist und an der ehemaligen Landstraße liegt. Der Pförtner wollte uns partout nicht passieren lassen, so mussten wir dann gegen 09:40 Uhr den Weg zurück zur letzten Straßengabelung antreten.

Dort angekommen, erwartete uns eine Steigung von 10 %, um zum Radweg auf der Kuppe des Hochufers zu gelangen. Oben angekommen, wussten wir dann erst einmal wieder nicht, wo es weiter ging. Wir befragten dann zwei Ortsansässige, die uns eine Straße in Richtung Nordosten entlang schickten. Der Straße folgten wir bis zum Ende. Nach einem kurzen Abstecher an die Kante des Hochufers, führte uns unser weiterer Weg über Feldwege. Diese hatten wir intuitiv gewählt, als die Straße endete. Zu unserem Glück hatten wir diesmal recht mit unserer Annahme. Kurz vor Balatonkenese trafen wir auf die Landstraße 71, der wir bis nach Balatonkenese hinein folgten.

Im Ortskern von Balatonkenese begann dann erneut ein Fahrradweg. Zuerst handelte es sich nur um einen halben Meter breiten Gehweg, später wurde er zum Teil straßenbreit. Fast zeitgleich mit dem Fahrradweg begann auch eine Gefällestrecke. Diese kosteten wir ausgiebig aus. Zum Fahren hatten wir zu diesem Zeitpunkt den Geh-/Radweg gewählt. Hierbei stellte sich lediglich das Problem, dass wir bei jeder einmündenden Straße vorsichtig sein mussten. Nicht, weil uns der einmündende Verkehr nicht beachtete, sondern weil der Rinnstein gut 20 Zentimeter hoch war und manchmal nicht abgesenkt war.  Nach der kurzweiligen Abfahrt ging es dann auf dem Radwanderweg an der Landstraße 71 entlang in Richtung Balatonfüzfö. Von dort an suchten wir eine Gelegenheit zum Mittagessen.

Ab Balatonfüzfö führte der Fahrradweg durch ein Sumpfgebiet bis Balatonsalmádi. Nachdem wir den Ort durchquert hatten, fanden wir gegen 11:45 Uhr am Ortsausgang eine Gaststätte, wo wir unser Mittag zu uns nahmen. Mittlerweile hatte sich auch das Wetter verändert. Es war kalt geworden und begann leicht zu regnen.  Nach dem Essen ging es dann gegen 12:15 Uhr bei leichtem Nieselregen weiter in Richtung Balatonfüred. Wir müssten nun die Landstraße 71 nutzen, um weiter voranzukommen, da der Fahrradweg unvermittelt endete. In der Ortschaft Alsóörs hatten wir keine Lust mehr an der stark befahrenen Landstraße entlang zu fahren. Nach einem kurzen Kartenstudium hatten wir uns für eine Fahrtroute durch das Hinterland entschieden. Hierzu folgten wir zuerst eine Straße in der Ortschaft. Diese führte auf einer Länge von etwas mehr als 2 Kilometern nur bergan und wurde zum Ende hin immer steiler, so dass es ständig anstrengender wurde. Oben angekommen schloss sich eine Linkskurve an und es ging weiter bergan. Hier verfügten wir allerdings nach einem kurzen Stopp wieder über eine bessere Motivation. Dies traf besonders auf meine Person zu.  Der weitere Straßenverlauf führte uns nach circa 1,5 Kilometern in die Ortschaft Lavos. Hier folgten wir dann der Beschilderung, da die tatsächliche Straßenführung nicht mit unserer Karte übereinstimmte. Dies hatte jedoch den Makel, dass wir nach einer Abfahrt von 1,5 Kilometern uns auf der Landstraße 71 wiederfanden. Aus unserer Tour durch das Hinterland war somit nichts geworden, so dass wir unsere Fahrt an der Landstraße fortsetzten.

Kurz vor Balatonfüred zerrte dann das mittlerweile schlechte Wetter und die bisherige Strecke an mir. An einer Steigung wurden Lars und ich zeitweise getrennt. Zudem wurden wir hier noch von zwei Mountain-Bikern auf ihrem Weg nach Balatonfüred überholt. Zu unserem Trost fuhren diese allerdings ohne Gepäck. Gegen 13:20 Uhr trafen wir dann endlich in Balatonfüred ein. Als letztes hatten wir noch eine sehr gute Abfahrt bis zum Hafen vor uns. Dort angekommen, machten wir uns dann nach einer Pause ab 13:45 Uhr auf unsere Zimmersuche.

Nach einem kurzen informatorischen Gespräch in einer Zimmervermittlung blieb uns nichts anderes übrig, als den Ort abzufahren, um ein Zimmer zu finden. Hierzu mussten wir zuerst die Steigung, die wir gerade heruntergekommen waren, wieder hinauf. Es war mörderisch und ich schaffte es nur schleichend im kleinsten Gang. Auf der Bergkuppe angekommen, sahen wir einige Hinweisschilder auf Zimmervermietungen. Nach einigen Fehlversuchen hatten wir dann endlich Glück. Unsere Fahrräder stellten wir, nachdem wir sie abgerüstet hatten, in der Garage unter.

Danach wurde kurz geduscht und auf den nahen Markt gegangen, um etwas zu bummeln. Auf dem Markt besuchten wir noch kurz ein Lokal, wo wir etwas tranken und Lars eine warme Suppe aß. Bevor wir dann den restlichen Nachmittag gammelten und lasen, kauften wir noch in einem nahen Supermarkt Getränke und Müsliriegel.   Gegen 17:45 Uhr sind wir dann Essen gegangen. Hierzu wählten wir das Lokal gegenüber unserer Unterkunft aus. Dort nahmen wir, wie fast immer eine Zwei-Personen-Platte zu uns und tranken einige Bier.

Gegen 19:45 Uhr waren wir wieder auf unserem Zimmer und sahen fern, gammelten und lasen, bis wir gegen 21:30 Uhr ins Bett gingen. Hierzu bleibt anzumerken, dass es schwierig war,  sich in dem Zimmer aufzuhalten, da ein Doppelbett fast das gesamte Zimmer ausfüllte und noch nicht einmal genug Platz war, um sich zu drehen. Als Ausgleich war das Zimmer jedoch mit einem Balkon ausgestattet. Dieser hatte eine Grundfläche von circa 30 x 50 Zentimeter und war noch nicht einmal geeignet, um sich zum Rauchen hinauszustellen. Man muss allerdings der Fairness halber sagen, dass das Zimmer für die Verhältnisse in Balatonfüred billig war, so dass wir diesbezüglich äußerst genügsam waren.

Der Anfang vom Ende

Heute haben wir endlich einmal ausgeschlafen und sind erst gegen 07:30 Uhr aufgestanden. Danach haben wir unsere Taschen gepackt und in der Küche der Pension unser Frühstück zu uns genommen. Um 08:30 Uhr begannen wir dann die Fahrräder zu bepacken und uns fahrfertig zu machen. Hierbei passiert Lars noch ein kleines Missgeschick, indem er sich den Reißverschluss seiner linken Nierentasche an seinem Radfahrtrikot ausreißt.

Gegen 09:00 Uhr war es dann endlich geschafft und wir waren wieder unterwegs. Unser Weg führte uns über den Radweg nach Tihany, der Halbinsel, die am Nordufer in den Balaton hineinragt und die schmalste Stelle des Balaton markiert. Auf unsrem Weg dorthin ging es an einer alten Schiffswerft vorbei und dann über eine kleine Landstraße am Ufer der Halbinsel weiter. Hier wurde der Radweg links neben der Straße geführt und war circa 50 Zentimeter breit. Zudem war er mit Platten gepflastert und mit Baumwurzeln durchsetzt, so dass das Fahren dort eine Quälerei war – insbesondere für das Hinterteil. Zudem musste man ständig die Füße von den Pedalen heben, um sich abfangen zu können, wenn man das Gleichgewicht verlor. Als zusätzliches Martyrium kam nun noch das Wetter hinzu. Es war stark bewölkt und windig. Gott sei Dank jedoch kein Regen, bis dahin.

Gegen 09:30 Uhr erreichten wir dann die eigentliche Ortschaft Tihany mit ihren Klosteranlagen, die wir nach einem kurzen Anstieg besichtigten konnten. Nach der Besichtigung der Klosteranlagen suchten wir uns ein Lokal, wo wir eine Kleinigkeit zu uns nahmen, um für die weitere Fahrt gestärkt zu sein. Wir saßen bei Sonnenschein auf der Terrasse des Lokals und genossen diese, obwohl es immer noch recht windig war. Nach der kleinen Mittagsmahlzeit begann unsre Odyssee auf der Halbinsel Tihany. Nach eingehendem Kartenstudium hatten wir uns vorgenommen, das südliche Ende der Halbinsel anzufahren und dann einen Rad-/Wanderweg an der Westseite zurückzufahren. Hierzu fuhren wir zuerst in Richtung „Goldenes Haus“. Von dort an wurde der weg immer schlechter. Als wir die Bergkuppe erreichten, war es nur noch ein lediglich 50 cm breiter Trampelpfad. Dennoch versuchten wir die Abfahrt in Richtung Südspitze. Nach circa 200 Metern gaben wir jedoch auf, da es aufgrund des feuchten Bodens zu gefährlich schien.

Dadurch konnten wir auch nicht den Weg am Westufer erreichen und wir beschlossen, über die Landstraße im Landesinneren zurückzufahren. Hierzu ging es wieder den Berg zur Ortschaft Tihany hinauf. Danach folgte laut Karte eine Abfahrt in Richtung Landesinnere, auf die wir uns schon freuten. Doch zu früh gefreut. Oben angekommen, begann es zu regnen und der Wind verstärkte sich, so dass wir sogar auf unserer Abfahrt treten mussten, um voran zu kommen. Nach der Abfahrt stießen wir wieder auf die Landstraße 71. Das Fahrradfahren auf ihr war nicht gerade angenehm. Starker Wind und Regen reichten eigentlich schon aus, aber es kamen noch die Kraftfahrzeuge hinzu, die mit einem recht geringen Seitenabstand an uns vorbeifuhren. In der Ortschaft Aszófö war’s dann endgültig vorbei. Bei einer Pause in einem Bushaltestellenhäuschen beschlossen wir, unseren eigentlichen Plan, den Balaton zu Umfahren, aufzugeben und stattdessen kurze Tagestouren zu fahren. Zu diesem Zweck wollten wir nach Balatonfüred zurückfahren und von dort mit der Fähre nach Siófok übersetzen. Um nach Balatonfüred zu gelangen, wollten wir nicht wieder an der Landstraße 71 entlang fahren. Wir einigten uns darauf, durch das Hinterland zu fahren. Zu diesem Zweck mussten wir in den Ort Aszófö hineinfahren und von dort weiter nach Balatonfüred. Im Ortskern kamen wir natürlich eine Gabelung der Straße und wussten nicht mehr weiter. Erst nachdem wir einen älteren Ortsbewohner befragt hatten, die Verständigung klappte mehr schlecht als recht, wussten wir den richtigen Weg und setzten unsere Tour fort.

Auf einer ruhigen Landstraße ging es weiter. Zwischenzeitlich kam sogar mal die Sonne raus, so dass wir unseren Entschluss bezüglich der Rückfahrt zur Ferienwohnung fast bereuten. Kurz vor Balatonfüred erreichte uns jedoch wieder unser übliches Wetter – Regen. Auf der Abfahrt zum Fähranleger in Balatonfüred war es stark am Regnen, so dass wir bei der recht steilen Abfahrt recht vorsichtig fuhren, um nicht zu stürzen. Wie wir später feststellten, war die Differenz zwischen den Höchstgeschwindigkeiten vom vorigen und vom heutigen Tag jedoch nicht so groß. Sie lag bei etwas über 4 Km/h, wobei wir am heutigen Tag eine Höchstgeschwindigkeit von 44,4 Km/h erreicht hatten. Von Balatonfüred ging es dann mit der letzten Fähre zurück.
Die Überfahrt verlief relativ ereignislos – jedenfalls aus meiner Sicht. Es war zwar wellig, aber die Fähre fuhr ja. Es war die letzte an dem Tag, wie wir später feststellten. Der Fährbetrieb wurde auf Grund des schlechten Wetters eingestellt. Lars hatte sich in die Kabine zurückgezogen. Ich dagegen genoss die Schifffahrt. In Siofok angekommen ging es dann gleich wieder zur Ferienwohnung. Schnell noch nach dem Duschen eingekauft und dann haben wir einen gemütlichen Abend im Trockenem verbracht. Bei Backgammon und Bier besprachen wir dann, wie wir die weiteren Tage verbringen wollten.

Die Tage ohne Tour

Es folgte dann am nächsten Tag erst einmal die Sorge um das hoffentlich reparierte Auto. Bei der ersten Nachfrage nach dem Pkw in der Werkstatt teilte man uns mit, dass es ein Problem geben würde. Man hätte lediglich ein abweichendes Scheinwerfergehäuse bekommen. Ansonsten sei alles soweit fertig. Mit dem Einbau des Gehäuses stehe das Auto am nächsten Tag zur Abholung bereit. Wir gönnten uns einen Gammeltag und besprachen mit dem Vermieter, dass er uns am nächsten Tag zur Werkstatt fährt. Gesagt, getan.

Am Morgen des nächsten Tages erhielten wir den Pkw zurück – und alles war okay. Den Nachmittag nutzten wir dann um eine Fahrradtour durch das südliche Hinterland von Siofok zu machen. Auf Feld- und Waldwegen ging es durch die leichten Hügel. Leider war es derart windig, dass die Tour selbst keinen richtigen Spaß machen wollte. So waren wir dann froh, als wir wieder zurück waren.

Da das Hinterland keine reizvollen Touren bot, suchten wir uns für den nächsten Tag noch einmal die Halbinsel Tihany als Ziel aus. Diesmal wollten wir jedoch, auch unter Rücksicht auf Lars, nicht die lange Fährverbindung nach Balatonfüred nutzen, sondern die Pkw-Fähre von Szantodrev nach Tihanyrev. Die Verbindung war kürzer und damit billiger. Außerdem handelte es sich nicht um eine reine Personenfähre, was den Einstieg mit den Fahrrädern einfacher gestaltete. Auf der Halbinsel Tihany ging es dann über mehrere Kilometer kreuz und quer. Zeitweise waren es in dem Dickicht unbefestigte Trampelpfade, auf denen wir uns bewegten.

Als wir genug mit dem Fahrrad gefahren waren, ging es mit der Fähre zurück. Die Strecke von Szantodrev ging es dann nach Siofok zurück. Hierbei kamen das erste Mal richtige Hochgefühle auf. Sonnenschein, Rückenwind und ein vernünftiger Untergrund gestalteten die letzte Strecke sehr angenehm.

Den Abend verbrachten wir dann wieder mit Backgammon und dem Leiterspiel. Backgammon kam bald für mich nicht mehr in Frage, da sich das Gewinnen gegen Lars äußerst schwierig gestaltete. Selbst klare Vorsprünge reichten mir gegen Lars sein Würfelglück nicht aus. Dies führte dann dazu, dass wir häufiger das Leiterspiel oder Mühle zur Entspannung spielten.

Der letzte Urlaubstag

Für den letzten Tag hatten wir uns noch einmal ein Highlight ausgesucht. Da das Auto wieder zur Verfügung stand, wollten wir einen Trip in Puszta machen. Als Ziel war mir die Bugaci Puszta noch bekannt. Da es noch keine Navis gab, mussten wir mit Karte navigieren und nach anfänglichen Problemen den Ort wiederzufinden, gelang es dann doch. Den Aufenthalt in der Puszta genossen wir und machten die obligatorische Wanderung zum Puszta-Hof. Danach gönnten wir uns noch die Molle in dem Restaurant, bevor es dann in die Ferienwohnung zurückging.

Dort angekommen, stand nur noch die Bezahlung der Wohnung auf dem Programm. Diese lief typisch ungarisch ab. In der Küche, bei selbstgebranntem Schnaps und Wein, wurde der Betrag für die Wohnung entrichtet. Natürlich erhielten wir noch einen großzügigen Abzug für die Unannehmlichkeit mit dem Unfall. Dagegen stand unsere offene Rechnung aus dem Minimarkt der Familie, die ebenfalls noch beglichen werden musste.

Die Rückfahrt

Am frühen Morgen ging es dann wieder zurück in Richtung Deutschland. Nachdem alles im Auto verstaut war und die Fahrräder wieder im Träger untergebracht waren, verabschiedeten wir uns von der Vermieterin. Ein angebotener Schnaps wurde diesmal auf Grund der bevorstehenden Autofahrt abgelehnt. Die Strecke bis zur Grenze verlief ereignislos. Unmittelbar vor der Grenze, in dem aufgebauten Geschwindigkeitstrichter, dann die Frage „sind wir gerade geblitzt worden?“. Fast zeitgleich wurden wir auch schon angehalten. Dreist wies ich mich mit meinem Dienstausweis aus, was uns eine Verwarnung ersparte. Danach verlief die Fahrt ruhig weiter. Wir versuchten uns an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten, um derartige Erlebnisse nicht noch einmal zu haben. In Deutschland dann kündigten wir uns telefonisch bei Elli an. Hier erfuhr ich dann, dass mein zuvor geklautes Fahrrad wohl wieder da sei. Die Polizei hatte sie darüber informiert. Später stellte sich heraus, dass es tatsächlich so war.

Gegen Abend waren wir dann wieder zurück. Schnell wurde Lars in Sorsum abgeliefert und noch eine kurze Unterhaltung mit seinen Eltern gehalten, dann ging es weiter nach Hannover.

Fazit

Aus der Tour zogen wir mehrere Rückschlüsse. Für mich persönlich war ein Umstand, den ich nicht richtig einsortieren konnte, nämlich dass ich nun zwei hochwertige Fahrräder hatte. Am Wichtigsten war jedoch, dass wir für zukünftige Touren lieber einen Ausgangsort wählen und von dort aus Touren starten, da die Fahrten mit Packtaschen nicht wirklich toll waren.

Datum DST TRP TIME AVS Vmax
04.09.1996 16
05.09.1996 78 62,36 03:25:49 18,2 48,7
06.09.1996 107 29,08 01:47:03 16,3 44,4
08.09.1996 141 34,04 01:48:56 18,7 56,8
09.09.1996 179 37,93 02:00:35 18,9 65,3
 Gesamt 163 163,41 09:02:23    

Mit dem Fahrrad durch den Harz

Harztour 1995

Der 1. Tag (28. August 1995)

Treffen am Hildesheimer Hauptbahnhof. Von dort geht es erst mal weiter zu ‘Raer’, damit Lars sich Spanngurte für seine Gepäcktaschen zulegen kann.

Als das erledigt war, ging es dann richtig los. Zuerst aus Hildesheim raus und dann an der Bundesstraße 6 entlang in Richtung Harz. Unsere erste Pause machten wir in Heersum, wo der Regen kurzfristig immer schlimmer wurde. Nach einer kurzen Pause ging es weiter in Richtung Holle, wo Lars an der Esso-Tankstelle seinen Reifendruck prüfte. Dann weiter in Richtung Silium, von wo aus es nach einem Rat eines Kollegen in Richtung ‘Jägerstübchen’ bergauf ging. Von dort ging es nach einer Pause über Kunigunde weiter nach Goslar. In Goslar angekommen, wurde noch die letzte Steigung zur Jugendherberge gemeistert, die an einem Berg über Goslar liegt. Auf dem Weg zur Jugendherberge bewältigten wir das Einbahnstraßensystem der Goslarer Innenstadt, indem wir jede Einbahnstraße gegen die Fahrtrichtung fuhren. Nach dem Duschen ging es in die Stadt zum Essen. Nachdem Lars versuchte seine Eltern zu informieren, gingen wir zum Italiener essen. Nach dem Essen und einem abschließenden Schlummertrunk in einem Bistro ging es im Stockdunklen den Berg wieder hinauf, um ins Bett zu gelangen. Unser Zimmer teilten wir uns mit einem fanatischen Fußballfan von Hannover 96, der mit dem Fahrrad unterwegs zu einem Punktspiel in Leipzig war, und einem Amerikaner, der mit seiner Freundin im Auto unterwegs war.

Der 2. Tag (29. August 1995)

Um 07:45 Uhr sind wir aufgestanden. Eine beachtliche Leistung nach der Tour vom Vortage. Das anschließende Frühstück war dann nicht so angenehm, da der Frühstücksraum voller grölender Schulkinder war. Wir suchten uns dann einen anderen, stilleren Raum – und fanden den Fernsehraum, wo wir dann in Ruhe unser Frühstück zu uns nahmen.
Um 09:00 Uhr hatten wir dann unsere Räder wieder gepackt und es sollte weiter gehen. Pünktlich zur Abfahrt begann es wieder zu regnen. Erstmal ging es zum Bahnhof um uns über unsere Rückfahrt zu informieren. Nach der Umstellung unserer Fahrtroute, wollten wir mit dem Zug ab Northeim zurück. Um eine adäquate Anbindung nach Hannover oder Hildesheim zu erhalten, mussten wir die Abfahrtszeiten ab Northeim erhalten. Nachdem dies erledigt war, ging es weiter in den Harz hinein. Zuerst zum Granestausee.

Am östlichen Ufer ging es bis zum Granebach. Diesem folgten wir dann bis Hahnenklee. Kurz vor Hahnenklee schwenkte der Radweg nach rechts ab und wir beschlossen den direkten Weg geradeaus nach Hahne nklee zu nehmen. Bei diesem Weg handelte es sich allerdings um einen Wanderweg, der eine Steigung von bis zu 30 % hatte, die wir dann nur noch schiebend zurücklegen konnten. Nach dem letzten Absatz standen wir dann mit einmal am Ortsrand von Hahnenklee. In Hahnenklee suchten wir dann erstmal ein Fahrradgeschäft, da mein Schaltwerk defekt war. Dieses war aber nicht zu finden. Lediglich in einem Hotel mit Fahrradverleih gab man uns den Tipp es in Clausthal-Zellerfeld zu versuchen. Also auf nach Clausthal-Zellerfeld. Wir wählten die Strecke über das ‘Spiegeltaler Zechenhaus’. Von Hahnenklee aus ging es dorthin erstmal hauptsächlich bergab. Das war ganz angenehm, besonders da es auf die Mittagszeit zuging. Kurz vor Erreichen des Gasthauses verlassen wir die asphaltierte Fahrbahn und wählen einen Trampelpfad bergab, da wir wieder einmal Probleme hatten, die Karte genau zu lesen und dachten die Strecke geht wieder bergauf. Nach circa 500 Metern Geländetour waren wir am Gasthaus. Nach einem kurzen Mittagssnack, bestehend aus Suppe und Bier, ging es weiter. Die Strecke nach in Clausthal-Zellerfeld erwies sich für mich als reine Tortur. Es ging konstant bergauf. In Clausthal-Zellerfeld angekommen, suchten wir zuerst ein Fahrradgeschäft. Da dieses Mittagspause hatte, fuhren wir weiter zur Jugendherberge, um uns unser Zimmer zu reservieren. Dort angekommen, erfuhren wir, dass die Jugendherberge ausgebucht sei. Die nächste fand sich in Altenau. Ich rief daraufhin in Altenau und reservierte telefonisch ein Zimmer für uns. Danach ging es dann zurück zum Fahrradgeschäft. Wir gaben mein Fahrrad in Auftrag und gingen während der Reparatur in eine Eisdiele am Marktplatz. Als die Zeit zum Abholen des Rades gekommen war, begann es in Strömen zu regnen. Nein, regnen wäre der falsche Ausdruck. Der Himmel öffnete seine Pforten und ließ alles Wasser heraus was er hatte. Als es aufgehört hatte, ging es dann in Richtung Altenau. Durch den Angestellten im Fahrradgeschäft wurde uns ein Weg empfohlen, der parallel zur Landstraße verlief. Der Weg begann an der Jugendherberge und endete am ehemaligen Bahnhof von Altenau. Die Strecke dazwischen war eine planierte Schotterstrecke, die auf dem ehemaligen Bahndamm entlang lief.

Die ganze Strecke war leicht abschüssig, was uns sehr entgegen kam. Zudem hatte es aufgehört zu regnen und die Sonne begann zu scheinen. Einziger Wermutstropfen war die kalte Luft, die dafür sorgte, dass Hände und Füße langsam kalt wurden. In Altenau angekommen, hatten wir erstmals herrliches Wetter. Der einzige Nachteil war, dass die Jugendherberge wieder einmal über allen Gebäuden des Ortes lag. Sie liegt circa  580 Meter hoch, wohingegen Altenau selbst circa 460 Meter hoch liegt. Die Herbergseltern gaben uns ein Zimmer, das vermutlich nur durch uns belegt werden würde, damit wir zwischen all den Schulklassen unsere Ruhe hatten. Und tatsächlich, so kam es dann auch. Es stellte sich kein weiterer Besuch ein, so dass wir ein Einzelzimmer hatten. Abends sind wir dann nach unten in den Ort zum Essen gegangen. Wir schauten uns mehrere Lokale an und entscheiden uns dann für eine Gaststätte, in der wir köstliche Fleischgerichte zu uns nahmen. Lars verspeiste ein Steak und ich aß eine Grillpfanne. Danach genehmigten wir uns noch einige Bier, vorzugsweise Hefeweizen. Nach dem Gaststättenaufenthalt musste Lars dann noch, wie eigentlich immer, telefonieren. Wir befanden uns zu diesem Zeitpunkt schon leicht bergauf auf dem Weg zur Jugendherberge, und zwar kurz hinter der Kirche, als es Lars einfiel. Er ging in den Ort zurück. Ich weigerte mich standhaft und wartete dort auf seine Rückkehr. In der Wartezeit genoss ich den Ausblick auf den Ortskern von Altenau. In der Jugendherberge angekommen, betrachteten wir noch kurz die örtliche Dorfjugend, die zusammen mit den Schulkindern eine Disco veranstaltete. Danach ging es ins Bett.

3. Tag ( 30. August 1995)

Morgens ging es wieder früh los. Diesmal waren wir beim Frühstück die einzigen älteren Teilnehmer, mal abgesehen von den Lehrkräften der Schulklassen. Nachdem wir uns gestärkt hatten und zusammen mit dem Sohn der Herbergseltern die Schaltung meines Rades nachgestellt hatten, ging es dann los. Zuvor hatten wir noch, Erfahrung macht klug, in Hohegeiß angerufen und ein Zimmer für die nächste Nacht reserviert. Dies stellte sich diesmal gewissermaßen als überflüssig heraus, da Hohegeiß auch voll belegt war und uns lediglich zwei Notbetten in einem Schlafsaal für 16 (sechzehn!) Personen anbieten konnte. Auch wenn uns dies nicht unbedingt gefiel, kündigten wir unser Erscheinen für den heutigen Abend erst einmal an, damit wir wenigstens eine Unterkunft hatten. Dies war insbesondere deshalb von Bedeutung, da wir uns für den heutigen Tag vorgenommen hatten zum Torfhaus zu fahren. Um dorthin zu gelangen, ging es erst bergab. Durch Altenau hindurch bis zum Okerstausee. Dort angekommen begann die erste Reparatur an Lars seinem Rad. Das Schutzblech scheuerte auf der Lauffläche seines Hinterrades. Um dies abzustellen wurde eine abenteuerliche Konstruktion aus Spanngurten hergestellt, die wenigstens das Malheur teilweise beseitigte. Es ging dann weiter am östlichen Ufer des Okerstausees entlang bis zu einem weg, der parallel zum Bach Kalbe verlief. Dieser Weg wurde mein persönlicher Feind. Er führte circa 6 Kilometer mit wechselnden Steigungsprofilen konstant bergan. Zweimal mussten wir auf mein Geheiß hin eine Pause einlegen und auch zeitweise schieben, da ich total ausgepumpt war. Als wir dann auf die Bundesstraße 4 trafen, die von Bad Harzburg zum Torfhaus führt, stellte sich schon kurzfristige Erleichterung bei mir ein. Als ich dann jedoch sah, wie es weiterging, war auch dieser kurze Lichtblick dahin. In einem weiten Bogen führte der Weg unterhalb des Torhauses dahin. Zudem wechselte der Belag von Asphalt auf Schotter, so dass das Vorankommen immer schwieriger wurde. Der krönende Abschluss war dann der Weg, der uns dann endgültig zum Torhaus hinauf führen sollte. Hierbei handelte es sich um die Skipiste, auf der im Winter Alpin-Ski gefahren werden kann. Das war es dann für mich. Von dort, bis kurz vor den Parkplatz, schob ich mein Rad. Erst als ich den Parkplatz erreicht hatte, fuhr ich wieder Fahrrad. Lars zog eisenhart bis zum Ende an den Souvenierhäuschen durch.Von dort genossen wir den mäßigen, weil bedeckten Ausblick auf den Brocken.

Nach einer kurzen Rast, die wir wirklich kurz hielten, da es ausgesprochen kalt war, fuhren wir weiter in Richtung Braunlage. Zuerst führte uns unsere Route weiter über die Bundesstraße 4. Da dort allerdings kein Radweg, dafür aber viel Fahrzeugverkehr herrscht, bogen wir bei der ersten Gelegenheit in Richtung ehemalige Zonengrenze ab. Parallel zu dieser verlief ein Radweg, der uns direkt nach Braunlage bringen sollte. Anfangs führte dieser Weg leicht bergan. Dies änderte sich jedoch. Aus einer leicht abschüssigen Strecke mit Schotteruntergrund wurde eine herrliche asphaltierte Abfahrt. Gerade als wir so richtig in Schwung gekommen waren, vernahm ich hinter mir ein Rufen. Es war Lars. Dieser wollte mir verständlich machen, dass wir anhalten müssten. Als wir standen tat er mir kund, dass er einen Plattfuß an seinem Hinterrad habe.

Die Reparatur dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Danach ging es weiter bergab. Wir erreichten schon eine ganz gute Geschwindigkeit auf dem Untergrund. Einziger Nachteil war kurz vor dem Ende der Strecke ein Fußgänger, der sein Fahrrad, mit dem er seinen Hund Gassi führte, quer über den Radweg stellte. Augenscheinlich tat er dies, da ihm unsere Geschwindigkeit zu hoch war. Es gelang ihm auch uns zu verlangsamen. Allerdings nur unter wüsten Beschimpfungen unsererseits. Im Ortskern von Braunlage angekommen, besprachen wir kurzfristig die weitere Route. Der Weg nach Hohegeiß war mir aus der Zeit meiner Polizeiausbildung noch gut in Erinnerung und ich wusste, dass es mehr bergauf als bergab geht. Zudem sprach die Unterbringung gegen einen Aufenthalt in Hohegeiß. Kurz entschlossen setzten wir uns mit der Jugendherberge in Bad Sachsa in Verbindung. Diese hatte auch noch Unterbringungsmöglichkeiten für uns.Nach einer kurzen Pause an einem Supermarkt ging es dann in Richtung Bad Sachsa weiter. Zuerst, wie eigentlich ständig, bergan. Nachdem wir die Ortschaft Braunlage hinter uns gelassen hatten, endete die Straße abrupt. Wir mußten uns durch eine Baustelle kämpfen, um wieder auf die Landstraße zu gelangen. Nach diesem kurzen Off-Road-Kapitel ging es nur noch leicht bergan. Und dann, ab dem Nullpunkt, ging es stetig bergab. Es war wohl die schönste Abfahrt während der gesamten Tour. Die Sonne schien und die Luft hatte sich schon erwärmt. Über Wieda ging es bis kurz vor Bad Sachsa. Dort bogen wir von der Landstraße ab und fuhren die letzten Kilometer durch den Wald. In Bad Sachsa angekommen, wie sollte es auch anders sein, fand sich die Jugendherberge auf einem Berg. Auf einer Strecke von ungefähr 200 Metern quälten wir uns circa 80 Höhenmeter hoch. Kurz nach 15:00 Uhr hatten wir die Jugendherberge erreicht. Zu unserem Bedauern mussten wir feststellen, dass erst wieder ab 17:00 Uhr eine Anmeldung für Zimmer erfolgen konnte. Wir mussten uns also knapp 2 Stunden um die Ohren schlagen. Die Zeit nutzten wir für ein keines Sonnenbad an der Rückseite der Jugendherberge. Nachdem wir dann gegen 17:00 Uhr ein Zimmer erhalten hatten, setzten wir  uns in Richtung Ortskern ab. Wir begutachteten mehrere Restaurants, um uns dann für eines zum Abendessen zu entscheiden. Danach ging es dann zur Jugendherberge zurück, wo wir recht früh schlafen gingen.

Der 4. Tag (31. August 1995)

Am Morgen war das Wetter noch recht durchwachsen. Mal ein wenig Sonnenschein, mal stark bewölkt. Nach dem Frühstück ging es erst mal in Richtung neue Bundesländer. Wir hatten uns am Abend zuvor vorgenommen nach Duderstadt zu fahren und dort Station bei meiner Oma zu machen. Da die bloße Fahrt nach Duderstadt recht eintönig erschien und auch noch recht kurz war, beschlossen wir einen Umweg über Bleicherode und Worbis zu fahren. Um die Strecke zu fahren, nutzen wir mäßig befahrene Land- und Kreisstraßen. Es war eine äußerst angenehme Tour, da es mal leicht bergan ging, unmittelbar darauf aber auch wieder bergab. Zudem gab es auch einige flache Passagen auf der Strecke. Erst hinter Obersachswerfen wechselte kurzfristig das Streckenprofil. Hier ging es etwas steiler bergan. Dafür aber auch umso steiler bergab. Krönung des Ganzen war die Abfahrt zur Kreuzung mit der Bundesstraße 243. Man bekam ganz schön Geschwindigkeit drauf und musste diese genau abpassen, damit man den Querverkehr der B 243 ideal passieren konnte. Dies war erforderlich, da sich an die Abfahrt und die Kreuzung gleich wieder eine Steigung in Richtung Haferungen anschloss. Nach Haferungen ging es erstmals wieder durch Forstgebiete. Zwar immer noch auf der Kreisstraße, jetzt doch aber recht idyllisch. Leichte Steigungen und Gefälle wechselten miteinander. Als wir uns dann langsam fragten, wann wir Bleicherode erreichen würden, passierten wir eine Steigung und hatten einen ‘herrlichen’ Blick auf die Vororte der Stadt. Das erste was wir sahen, war eine Abbauhalde des örtlichen Tagebaus, gepaart mit den obligatorischen Wohnhäusern der Arbeiter. Zudem hing überall der übliche Braunkohlegeruch in der Luft, so dass sich Bleicherode für uns als nicht sehenswert herausstellte und wir beschlossen, so schnell als möglich weiter zu fahren. Um jedoch unserem Hunger Rechnung zu tragen, hielten wir kurz an einer Tankstelle und versorgten uns mit den nötigen Grundnahrungsmitteln – Caraza, Snickers, Mars und Cola. Da sich das Wetter zusehends verschlechterte und langsam unangenehmer Wind aufkam, beschlossen wir zügig in Richtung Worbis weiter zu fahren. Durch die Bleicheroder Berge und das Ohmgebirge ging es weiter. In Buhla hielten wir noch kurz an einer Telefonzelle, um abzuklären, ob meine Oma mittlerweile zu Hause war. Außerdem machten wir nochmals eine kleine pause, da das ständige fahren mit Gegenwind doch an unseren Kraftreserven zehrte. Es ging dann langsam weiter. Wir beschlossen nicht übermäßig schnell zu fahren, was mir übrigens sehr entgegenkam, Zudem machten wir noch ausgiebig pausen. Unter anderem kurz vor der Ortschaft Haynrode, wo wir den Ausblick auf die Beicheroder Berge und die Hasenburg genossen. Danach kam die letzte bedeutende Steigung, hinauf nach Kaltohmfeld. Mittlerweile hatte mein Schaltwerk gänzlich seinen Geist aufgegeben. Es schaltete wahllos zwischen den Gängen hin und her. Zudem stellte Lars während des Aufstieges fest, dass sich mein Ritzelpaket gelöst hatte. Wir hielten kurz an, um eine notdürftige Reparatur vorzunehmen. Hierbei kam es dann noch zu einem kurzen und unrühmlichen Aufeinandertreffen mit einem Opel-Fahrer, mit dem ich Streit gesucht hatte. Wohl auch um meinen Frust um die defekte Schaltung abzulassen. Nachdem wir die Steigung mehr recht als schlecht hinter uns gebracht hatten, begutachteten wir in Kaltohmfeld noch einmal ausgiebig das Ritzelpaket und beschlossen in Worbis ein Fahrradgeschäft aufzusuchen, um den Schaden reparieren zu lassen. Dies erledigte sich jedoch auf der anschließenden Abfahrt in Richtung Worbis. Wir machten so richtig Dampf und traten auch noch in die Pedale, obwohl wir schon gut rollten. Hierbei zog sich das Ritzelpaket wohl wider fest und lief wieder rund, so dass ich beschloss bis Duderstadt damit zu fahren. Bei der Einfahrt in den Ort Kirchohmfeld, kurz vor Worbis gelegen, erlebten wir dann fast eine böse Überraschung. Wir hatten wohl gut 50 km/h drauf, als der Straßenbelag von Asphalt auf leicht feuchtes Kopfsteinpflaster wechselte. Glücklicherweise konnten wir unsere Geschwindigkeit langsam verringern und mußten nicht abrupt bremsen. Nach der Ortschaft ging es dann auf normalen Asphalt weiter. Durch Worbis hindurch war es immer noch abschüssig, so dass wir zügig voran kamen. Auch als es auf die Bundesstraße 247 ging, übrigens die einzige vielbefahrene Straße, die wir nutzten, ging es leicht abschüssig voran. Nach Ferna bogen wir wieder auf eine Nebenstraße ab. Mittlerweile hatte sich das Wetter zusehends verschlechtert. Eine Gewitterfront zeigte sich düster über Duderstadt und zog langsam in unsere Richtung.

Da wir nicht vorhatten nass zu werden, beschlossen wir die letzten Kilometer in Richtung Duderstadt schnell zurückzulegen. Wir passierten den ehemaligen Grenzübergang und nutzten von dort aus wiederum eine ehemalige Bahnstrecke, die mittlerweile als Radweg in Richtung Duderstadt ausgebaut war. Zu Beginn unserer Fahrt auf diesem Bahndamm machten wir noch eine kurze Rast um eine Foto zu schießen und damit ich eine Zigarette rauchen konnte. Nun ging es zügig weiter. Bis Duderstadt holte uns das Gewitter nicht ein. Zuerst fuhren wir die Adresse meiner Oma an. Dort erfuhren wir über eine Nachbarin, dass meine Oma auf einer Kegeltour wäre und erst am Sonntag zurück käme. Wir hinterließen eine Nachricht und fuhren zur Jugendherberge, um ein Zimmer zu erhalten. Für dieses Einrichtung des Jugendherbergswerkes ist der Begriff Jugendgästehaus, wie die Einrichtung offiziell heißt, jedoch falsch gewählt. Unser Zimmer war besser als in manchem Hotel. Wir erhielten zwei Zimmer, die separat verschließbar waren, mit einem eigenständigen Badezimmer. In den Zimmern standen jeweils zwei Betten, so dass wir beschlossen, uns ein Zimmer zu teilen. Nachdem wir ausgiebig geduscht hatten, gingen wir zu Fuß in die Stadt. Wir beschlossen abends ausgiebig im ‘Belgrad’ zu speisen, das wir noch von der Geburtstagsfeier meiner Oma kannten. Hierzu kam es jedoch nicht, da Lars sich durch die Wahl seine Zwischenmahlzeiten, Würstchen und süßen Kuchen, den Magen verdarb und keinen Appetit mehr hatte. Da ich jedoch immer noch Hunger hatte, wurde beschlossen im Tenniscenter einzukehren und dort noch einiges zu uns zu nehmen, bevor wir in die Jugendherberge zurück gingen. Nach einigen Hefeweizen und einer Currywurst mit Pommes Frites legten wir uns in der Jugendherberge schlafen. Wir hatten uns darauf geeinigt am nächsten Morgen auszuschlafen, da die letzte Strecke nach Northeim nicht mehr so lang war.

Der 5. Tag (01. September 1995)

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit vernünftigem Kaffee und Cornflakes, ging es los in Richtung Northeim. Wir hatten unsere Fahrtroute über Westerode geplant, damit Lars noch einmal nach dem Haus seiner Urgroßmutter schauen konnte. Von dort sollte es durch die Feldmark an der Ruhme entlang weiter gehen. In Westerode hatten wir gleich mehrere Probleme. Zuerst fanden wir das Haus nicht sofort wieder. Danach fanden wir den Radweg nicht. Wir bogen gemäß Karte ab. Der Weg endete jedoch an einer Scheune. Dort fragten wir einen Bauern, wie es weiter gehe. Dieser teilte uns mit, dass wir uns verfahren hätten. Er erklärte sich bereit mit seinem 25 Km/h Traktor voran zu fahren, bis wir auf dem richtigen Weg wären. Zu meinem Entsetzen musste ich wieder einmal feststellen, dass 25 Km/h Gespanne schneller als die angegebene Geschwindigkeit fahren. Dieser fuhr so zwischen 30 und 35 Km/h, so dass ich leichte Probleme hatte ihm zu folgen. Erst auf dem Radweg angekommen, reduzierten wir unsere Geschwindigkeit. Von hier an ergaben sich dann aber andere Probleme. Wir hatten mit einmal einen bitterkalten Gegenwind, der die ganze Fahrt ziemlich unangenehm gestaltete. Am Seeburger See machten wir die erste ausgiebige Pause. Wir stellten uns windgeschützt bei Strohballen auf und genossen den Ausblick auf den See. Danach ging es nach Ebergötzen weiter. In Ebergötzen fuhren wir erst in die falsche Richtung weiter. In einer Gaststätte fragte ich nach dem Weg und erhielt die für mich unbefriedigende Antwort, dass wir wieder zurück müssten. Zwischenzeitlich zog sich Lars wärmere Kleidung an, da es nicht so aussah, als würde der Wind nachlassen. Zu unserer Überraschung entdeckte Lars gegenüber der Gaststätte das Max & Moritz Haus. Ein Haus, in dem Wilhelm Busch mal gewohnt hatte. Über mehrere kleine Ortschaften ging es dann weiter bis Bilshausen. Von dort aus sollte ein Feldweg direkt an der Rhume entlang bis Lindau. Diesen fanden wir jedoch erst, nachdem wir uns im Ort durchgefragt hatten. Und auch dann hatten wir noch Probleme den richtigen zu finden. Wir fuhren erst einen Feldweg hinein und nach einigen hundert Metern beschlossen wir, dass dies nicht der richtige sein könne. Also zurück und den nächsten Weg ausprobiert. Dieser ging erst bergan und schwenkte dann in die entgegengesetzte Richtung ab. Also wieder falsch. Zurück zu dem ersten Weg und diesen weiter gefahren. Wie sich dann herausstellte, war es doch der richtige Weg. Der erste Gedanke ist doch immer der richtige. In Lindau angekommen, machten wir an einem Leinemann-Imbiß eine Mittagspause. Als wir uns wieder auf unsere Fahrräder setzten, begann es gerade leicht zu regnen. Dies änderte sich hinter Katlenburg. Dort wurde der Regen noch stärker. In Hammenstedt, dem Ort meiner Kindheit, machten wir dann eine kurze Pause an unserem alten Bauernhof und hofften, dass der Regen nachlassen würde.

Dies tat er dann auch kurzfristig, so dass wir beschlossen nach Northeim weiter zu fahren. Doch kaum waren wir auf dem Radweg an der Bundesstraße ging es wieder richtig los. In Northeim angekommen, waren wir dann klitschnass. Lars fragte nach dem Weg zur Jugendherberge und erhielt als Antwort, dass die Jugendherberge doch abgebrannt sei. Dies steigerte unsere Stimmung nicht gerade. Wir suchten sie trotzdem auf. Der Anblick, der sich uns bot, war nicht gerade vertrauenerweckend. Der rechte Teil des Gebäudes war mit einem Gerüst versehen und tatsächlich ausgebrannt. Wir hatten jedoch Glück und erhielten ein Zimmer unter dem Dach des Hauptgebäudes. Augenscheinlich hatten wir das Dachgeschoß ganz für uns allein. Zudem erhielten wir in dieser Jugendherberge wieder einen Schlüssel, damit wir nicht an die Nachtzeiten gebunden wären. Nach einer kurzen Dusche gingen wir zum Bahnhof, um uns nach einer Zugverbindung in Richtung Hildesheim zu erkundigen. Wir mussten allerdings eine Zugverbindung um 07:25 Uhr wählen, da das Wochenendticket noch galt und Hannover verkaufsoffener Samstag war und spätere Zugverbindungen für Reisende mit Fahrrädern schon ausgebucht waren. Wir gingen daraufhin zur Jugendherberge zurück und klärten die Formalitäten, die mit dem frühen Verlassen der Jugendherberge verbunden waren. Danach gingen wir erstmal auf unser Zimmer und machten es uns gemütlich. Wir hängten unsere Sachen zum Trocknen auf und genehmigten uns ein Bier. Wir gingen zu einem späteren Zeitpunkt in einem Northeimer Lokal gutbürgerlich Essen. Nach dem Essen blieben wir noch einige Zeit sitzen und tranken ein paar Bier. Während dieser Zeit setzte sich die Bedienung zu uns und tischte uns die Geschichten aus seiner Jugend auf. Nach diesem Gaststättenaufenthalt ging es zurück in die Jugendherberge und ab ins Bett, um für das frühe Aufstehen gerüstet zu sein.

Der 6. Tag (02. September 1995)

Um 06:15 Uhr sind wir aufgestanden. Auf Duschen verzichteten wir und ein Frühstück, bestehend aus Kuchen und Cola, kauften wir uns in der Fußgängerzone auf dem Weg zum Bahnhof. Als wir dort gegen 07:00 Uhr ankamen, ging ich erst einmal die Fahrkarten kaufen. Dort erklärte man mir, dass die Auskunft vom Vortage nicht zutreffend sei. Unsere Chancen in diesem Zug mitzukommen, seien äußerst gering, da er meist überfüllt sei und Radfahrer dann nicht mitgenommen werden. Trotzdem könne ich erstmal die Karten kaufen und dann mit dem Schaffner des Zuges sprechen, der entscheiden würde, ob er uns mitnehme. Die Karten könne ich im Fall einer negativen Antwort wieder umtauschen. Auf dem Bahnsteig erzählte ich Lars davon. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass der Zug voll werden würde, da er lediglich aus Göttingen komme und auf dem Bahnsteig noch nicht viele Personen standen. Eine Viertelstunde später sah das Ganze schon anders aus. Der Bahnsteig hatte sich zusehends gefüllt und uns blieb nichts anderes übrig als abzuwarten und mehrere düstere Szenerien zu malen, was wir tun würden, wenn wir nicht mitkämen. Kurz vor der Ankunft des Zuges wurde unsere Mitnahme immer unwahrscheinlicher, da der Bahnsteig nun voll war. Als der Zug eingefahren war, fuhren wir zum Schaffner. Dieser beantwortete unsere Frage erst mit einem Nein, sagte dann aber, dass wir uns den letzten Wagen stellen könnten. Gleichzeitig sagte er aber auch, daß wir aussteigen müssten, wenn sich der Zug zu stark füllen würde. So fuhren wir von Station zu Station mit der Hoffnung, dass nicht allzu viele Personen zusteigen. Zu unserem Glück ging es auch gut. In Banteln trafen wir dann unerwartete Bekannte. Einige Spieler der Bantelner Volleyball-Herrenmannschaft stiegen, verkleidet als HSV-Fans in den Zug ein, um zu einem Punktspiel des HSV zu fahren.

In Nordstemmen stieg Lars dann aus und fuhr von dort aus allein nach Hause weiter. Ich nutzte es aus, daß der Zug bis Hannover fuhr und sich dadurch meine Heimfahrt extrem kurz gestaltete. In Hannover angekommen, brauchte ich nur noch die 2 Kilometer vom Bahnhof zur Redenstraße zurückzulegen. Dort kam ich dann gegen 10:00 Uhr morgens an. Pünktlich, um noch mit Ellen zu frühstücken.
Nachdem wir zurückgekehrt waren, blieb uns nur noch übrig, die Fotos anzuschauen und über die nächste Tour zu reden. Vielleicht können wir ja noch ein paar andere Personen überreden sich uns anzuschließen. Mal sehen. Eines steht auf jeden Fall jetzt schon fest. Das nächste Mal geht’s dahin, wo das Wetter besser ist. Also vermutlich in den Süden. Aber auch davon werden wir auf jeden Fall berichten.

Datentabelle

Datum km Fahrzeit AVS V-Max
Mo., 28.08.95 54,99 03:45:00 16,6 52,6
Di., 29.08.95 46,05 03:23:04 13,26 45,1
Mi., 30.08.95 50,71 02:57:49 14,43 61,8
Do., 31.08.95 60,88 03:25:55 17,64 50,4
Fr., 01.09.95 47,1 02:46:57 16,8 42,4
Gesamt 163,41 09:02:23